2. Beispiel: Die Festplattenindustrie

Clayton Christensen (1997) hat das Innovationsdilemma vor allem am Beispiel der Festplattenindustrie empirisch beschrieben. Als Festplatten, auch wenn der Begriff heute anachronistisch ist, werden Hardwarebestandteile für die dauerhafte Datenspeicherung bezeichnet. Im Zuge der fortlaufenden und schnellen Miniaturisierung von Computern der vergangenen Jahrzehnte von großen Mainframe-Rechnern, die ganze Räume füllten bis zu der Miniatur-Hardware in Smartphones und Sensoren (vgl. Kapitel 3) kam es zu häufigen disruptiven Innovationen auch bei der jeweiligen Festplatten-Technologie.

Infografik zur Disruption bei Festplatten: Chart zeigt Entwicklungspfade, Tabelle vergleicht 8- und 5,25-Zoll-Laufwerke.
Entwicklungspfade und disruptive Eigenschaften von Festplattentechnologien (nach Christensen, 1997).

Typischerweise, wie Christensens Studie zeigt, waren diese Disruptionen davon gekennzeichnet, dass etablierte Hersteller von Festplatten die neue Technologie lange ignorierten und stattdessen ein Startup das neue Produkt entwickelte, das zunächst weniger leistungsfähig, dafür aber deutlich teurer war als das etablierte und deswegen zunächst für einen neuen Markt gefertigt wurde, typischerweise ein kleinerer, ganz neuer Typ von Computer (siehe Abbildung oben). Die neuen Festplatten wurden aber durch einen geplanten, inkrementellen Innovationsprozess schnell besser und günstiger bis sie auch auf dem alten Markt konkurrenzfähig waren, mit der Folge, dass die etablierten Hersteller dann häufig insolvent wurden. Dieser Zyklus wiederholte sich mehrfach – wahrscheinlich auch nach Ende der Studie.