Buch: Das Innovationsdilemma
| Website: | OnCourse Universität Bremen |
| Kurs: | Nachhaltige Städte |
| Buch: | Buch: Das Innovationsdilemma |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Montag, 25. Mai 2026, 02:52 |
1. Das Innovationsdilemma
Das Innovationsdilemma (engl. The Innovator’s Dilemma) beschreibt das Paradox, dass erfolgreiche Unternehmen oft an ihrer eigenen Erfolgsgeschichte scheitern (Christensen, 1997): Sie optimieren bestehende Produkte schrittweise für ihre bestehenden Absatzmärkte und übersehen dabei disruptive Innovationen – neue, zunächst leistungsschwächere und oft auch teurere Technologien oder Geschäftsmodelle, die andere Zielgruppen ansprechen. Weil diese Innovationen anfangs geringe Erträge versprechen und mit hohen Risiken verbunden sind, ignorieren etablierte Firmen sie, bis sie sich technisch und marktseitig so weit verbessert haben, dass sie die alten Produkte verdrängen.
So verlieren Marktführer ihre Vormachtstellung an neue Akteure, die oft als Startups früh auf disruptive Trends gesetzt haben. Das Dilemma besteht also darin, dass genau die Strategien, die ein Unternehmen erfolgreich machen, zugleich verhindern, dass es auf bahnbrechende Veränderungen reagiert.
2. Beispiel: Die Festplattenindustrie
Clayton Christensen (1997) hat das Innovationsdilemma vor allem am Beispiel der Festplattenindustrie empirisch beschrieben. Als Festplatten, auch wenn der Begriff heute anachronistisch ist, werden Hardwarebestandteile für die dauerhafte Datenspeicherung bezeichnet. Im Zuge der fortlaufenden und schnellen Miniaturisierung von Computern der vergangenen Jahrzehnte von großen Mainframe-Rechnern, die ganze Räume füllten bis zu der Miniatur-Hardware in Smartphones und Sensoren (vgl. Kapitel 3) kam es zu häufigen disruptiven Innovationen auch bei der jeweiligen Festplatten-Technologie.
Typischerweise, wie Christensens Studie zeigt, waren diese Disruptionen davon gekennzeichnet, dass etablierte Hersteller von Festplatten die neue Technologie lange ignorierten und stattdessen ein Startup das neue Produkt entwickelte, das zunächst weniger leistungsfähig, dafür aber deutlich teurer war als das etablierte und deswegen zunächst für einen neuen Markt gefertigt wurde, typischerweise ein kleinerer, ganz neuer Typ von Computer (siehe Abbildung oben). Die neuen Festplatten wurden aber durch einen geplanten, inkrementellen Innovationsprozess schnell besser und günstiger bis sie auch auf dem alten Markt konkurrenzfähig waren, mit der Folge, dass die etablierten Hersteller dann häufig insolvent wurden. Dieser Zyklus wiederholte sich mehrfach – wahrscheinlich auch nach Ende der Studie.
3. Beispiel: Videotheken
Gerade im Zusammenhang mit der Digitalisierung waren und sind viele Industrien von genau dieser Entwicklung betroffen. Denk an klassische Fotografie, Hersteller von Schallplatten und CDs oder Telefonen – meistens spielen die Anbieter der alten Technologie auf dem Markt für die neue Technologie kaum eine Rolle mehr. In dem nachfolgenden Video ist das Innovationsdilemma noch mal am Beispiel des Übergangs von Videotheken (mittlerweile insolvente Firmen wie Videoworld oder Blockbuster) zu Streaming (Netflix, Amazon Prime etc.) erklärt.