3. Multispecies Justice

Multispecies Justice geht noch einen Schritt weiter und kritisiert, dass viele Gerechtigkeitskonzepte selbstverständlich vom Menschen als einzigem relevanten Subjekt ausgehen. Multispecies Justice ist ein gerechtigkeitstheoretischer Ansatz, der die moralische und politische Gemeinschaft über den Menschen hinaus erweitert. Anders als klassische Gerechtigkeitsperspektiven, die sich auf Verteilung, Teilhabe oder Anerkennung zwischen Menschen konzentrieren, betrachtet Multispecies Justice

  • alle Lebewesen sowie ökologische Systeme als Träger von Interessen,
  • Vulnerabilität und
  • relationalen Abhängigkeiten.

Der Ansatz geht davon aus, dass das Wohlergehen menschlicher Gemeinschaften untrennbar mit dem Wohlergehen anderer Arten, Landschaften und ökologischer Prozesse verbunden ist.

Multispecies Justice kritisiert die Dominanz anthropozentrischer Weltbilder, die Natur vor allem als Ressource für menschliche Zwecke verstehen. Stattdessen betont sie, dass Tiere, Pflanzen, Flüsse, Böden oder ganze Ökosysteme nicht nur „Umwelt“ sind, sondern aktive Mitgestalter des Lebens auf der Erde. Gerechtigkeit bedeutet daher, ihre Bedürfnisse, Lebensweisen und Verletzlichkeit in Entscheidungen einzubeziehen.

Der Ansatz wird besonders relevant in Kontexten, in denen industrielle Aktivitäten, bspw. Rohstoffabbau, Wasserentnahme oder Infrastrukturprojekte, nicht nur menschliche Gemeinschaften, sondern auch die ökologische Integrität ganzer Lebensräume bedrohen.

In der Anwendung auf KI-Infrastrukturen zeigt Multispecies Justice, ...

... dass Eingriffe in Wasserhaushalte, Energie- oder Rohstoffsysteme immer auch Auswirkungen auf nicht-menschliche Arten haben. Multispecies Justice fordert deshalb politische und technologische Entscheidungen, die ökologische Beziehungen schützen, Schäden begrenzen und mehr-als-menschliche Akteure ernst nehmen, als Mitbewohner einer gemeinsamen, verwobenen Welt.