Buch: Perspektiven der Gerechtigkeit
2. Climate Justice
2.4. Soziale Differenzierung
Soziale Differenzierung (Social Differentiation) beschreibt in diesem Zusammenhang die Vielfalt sozialer Merkmale innerhalb einer Gesellschaft, die dazu führt, dass Menschen sehr unterschiedlich von Klimawandel und Umweltveränderungen betroffen sind. Unterschiede in Einkommen, Klasse, Ethnie oder Kaste, Geschlecht, sozialem Status oder räumlicher Lage prägen maßgeblich, wie vulnerabel bestimmte Gruppen sind und welche Ressourcen ihnen zur Anpassung zur Verfügung stehen.
Beispiel
Während privilegierte Gruppen häufig besseren Zugang zu Infrastruktur, politischem Einfluss oder ökonomischer Sicherheit haben, sind marginalisierte Bevölkerungsgruppen stärker von Klimarisiken wie Wasserknappheit, Überschwemmungen oder Versorgungsengpässen betroffen.
Diese Unterschiede spiegeln sich auch in der Governance wider: In vielen Entscheidungsprozessen dominieren jene Gruppen, die bereits Macht und Ressourcen besitzen, während die Stimmen benachteiligter Gemeinschaften, etwa
- Frauen,
- informelle Arbeiterinnen,
- Minderheiten oder
- Bewohnerinnen peripherer Stadtteile,
kaum Gehör finden. Dadurch werden ihre Bedürfnisse und ihr lokales Wissen nicht ausreichend anerkannt oder berücksichtigt. Im Rahmen der Klimagerechtigkeit macht der Begriff der sozialen Differenzierung deutlich, dass Klimafolgen und Anpassungsmaßnahmen niemals „neutral“ sind, sondern bestehende soziale Ungleichheiten verstärken oder abmildern können.
Wichtig
Gerechtigkeit erfordert daher, diese Unterschiede systematisch mitzudenken und besonders verletzliche Gruppen aktiv in Planung, Entscheidungen und Ressourcenverteilung einzubeziehen.