Wasser für die Kühlung von Rechenzentren
3. Beispiele
Ein wichtiges Beispiel ist das Google-Rechenzentrum in Cerrillos, Santiago de Chile. Laut der Umweltverträglichkeitsprüfung sollte die Anlage täglich 7,6 Millionen Liter Wasser verbrauchen – so viel wie über 80.000 Einwohner*innen der Gemeinde jährlich benötigen. In einer Stadt, die regelmäßig unter Dürre leidet, wurde dies als massiver Eingriff in die Wasserrechte der Bevölkerung wahrgenommen. Die Bürgerinitiative MOSACAT organisierte sich, um den Bau zu stoppen, da sie befürchtete, dass das Wasser lokaler Aquifere zugunsten eines multinationalen Konzerns entzogen würde. Diese Auseinandersetzung verdeutlicht ein Muster, das im Bericht mehrfach beschrieben wird: Regierungen genehmigen Projekte häufig unter politischem und wirtschaftlichem Druck, während lokale Gemeinden zu spät oder gar nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Ein ähnlicher Konflikt zeigt sich in Querétaro, Mexiko, wo sich indigene Otomí-Gemeinschaften gegen den Bau mehrerer Microsoft- und AWS-Datenzentren wehren. Hier verschärft der enorme Wasserbedarf die bestehende Umweltungleichheit. Laut lokalen Untersuchungen sind 76 % der Wasserquellen der Region bereits industriell kontaminiert, doch sauberes Grundwasser wird weiterhin vorrangig für Datenzentren bereitgestellt. Aktivist*innen sprechen daher von keiner „Dürre“, sondern von „Ausbeutung“. Die betroffenen Gemeinden sehen sich nicht nur mit Wasserknappheit, sondern auch mit Einschüchterung, Gewalt und Vertreibung konfrontiert – ein gravierendes Beispiel für die Verbindung von digitaler Infrastruktur und postkolonialen Machtstrukturen.
Link zur Studie
Letztlich zeigt sich, dass der Wettlauf um digitale Souveränität neue Formen von Ressourcenausbeutung erzeugt. Ohne gerechte Wasserpolitik und demokratische Beteiligung droht die digitale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts dieselben Ungleichheiten zu reproduzieren, die sie eigentlich überwinden sollte.