6. Zusammenfassung: Die nachhaltige Stadt

Es gibt also nicht „die“ nachhaltige Stadt. In einem weiteren Sinn hat urbane Nachhaltigkeit immer etwas mit der dauerhaften Verfügbarmachung von Ressourcen für die Stadt zu tun und ebenso mit der Gerechtigkeitsfrage, in welchem Maße alle Menschen heute und in Zukunft gleichermaßen von den Früchten der Urbanisierung profitieren können. Dabei entstehen regelmäßig Zielkonflikte zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitsaspekten, die der (in der Regel konfliktreichen) politischen Aushandlung bedürfen.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) kondensiert in seinem Urbanisierungsgutachten (WBGU, 2016, vgl. Lektion 1.1) den Nachhaltigkeitsdiskurs in seinem „normativen Kompass“ für die Stadtentwicklung (siehe Abbildung unten). Dieser Kompass soll für Wissenschaft und nationale wie kommunale Politik eine Orientierung bieten, um mit geeigneten Maßnahmen die globale Urbanisierungsdynamik des 21. Jahrhunderts auf das Ziel der nachhaltigen Entwicklung auszurichten.

Grafik zeigt normativen Kompass: Städte sollen Natur schützen (N), Teilhabe sichern (T) und ihre Eigenart bewahren (E).
Grafik zeigt normativen Kompass: Städte sollen Natur schützen (N), Teilhabe sichern (T) und ihre Eigenart bewahren (E).
 

Normativer Kompass für die Transformation von Städten (WBGU, 2016): Alle Städte sollen Entwicklungspfade einschlagen, die den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen sicherstellen (N), ihren Bewohner*innen gleichberechtigte Teilhabe (T) an materiellen Ressourcen, Infrastruktur und politischen Entscheidungen ermöglichen, und dabei die Eigenart (E) der Städte berücksichtigen hinsichtlich ihrer Geschichte, Kultur und Identität. Es gibt keine Blaupause für urbane Nachhaltigkeit, sondern sie muss konkret vor Ort ausgehandelt werden.