Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Diskurse um die Nutzung der Kernkraft

      Der Politische Diskurs in Deutschland

      In Deutschland ist die Kernkraft bzw. Atomkraft, beide Begriffe sind synonym, hochgradig umstritten. Bis in die 70er Jahre hinein gab es allenfalls kleinere Widerstände gegen die zivile Nutzung der Kernenergie, insgesamt bestand eher ein gesellschaftlicher Konsens für die Nutzung der Kernenergie. Lokal gab es aber durchaus Proteste gegen den Bau von Kraftwerken. Diese Proteste hatten teilweise mit den Folgen des Kraftwerkbaus, also der Veränderung der Natur und der örtlichen Gegebenheiten, zu tun. Ein Atomkraftwerk ist eine riesige Anlage, deren Bau vielfältige Auswirkungen auf eine Region hat. Es wurde aber ab Mitte der 70er Jahre auch zunehmend auf die Gefahren durch mögliche austretende Strahlung bei Störungen und Unfällen und die ungelöste Endlagerproblematik hingewiesen.
      In derselben Zeit wurde geplant in Gorleben, einem Ort in einer dünnbesiedelten Region Niedersachsens, dem Wendland, ein Endlager und eine Wiederaufbereitungsanlage zu errichten. Gegen diese Pläne entwickelte sich ein massiver, aber friedlicher, Protest, der über Jahrzehnte andauerte und sich dadurch auszeichnete, dass er quer durch verschiedene gesellschaftliche Geschichten von konservativ bis progressiv getragen wurde. Der Protest führte dazu, dass zwar ein Zwischenlager errichtet wurde, aber die Pläne für eine Wiederaufbereitungsanlage und ein Endlager in Gorleben wieder verworfen wurden. Auch in Wackersdorf in Bayern, wo eine Wiederaufbereitungsanlage entstehen sollte, gab es große Proteste und die Anlage wurde nicht gebaut.
      Aus dem nun breiten gesellschaftlichen Protest, der Anti-Atomkraft-Bewegung, entstand in den 80er Jahren die Partei Die Grünen. Diese bildete ab 1998 die Bundesregierung mit der SPD, die sich ebenfalls schon länger kritisch gegenüber der Nutzung der Kernkraft positioniert hatte. 2002 wurde ein Gesetz verabschiedet, dass die Restlaufzeit der bestehenden Atomkraftwerke auf 32 Jahre festlegte. Dieses Gesetz wurde 2010 von einer Regierung aus CDU und FDP teilweise aufgehoben und eine Laufzeitverlängerung für die bestehenden Kraftwerke beschlossen. Unter dem Eindruck der Katstrophe von Fukushima, wurden diese Verlängerungen aber wieder zurückgenommen (vgl. bpb 2021). Seit dem 15. April 2023 ist in Deutschland kein Atomkraftwerk mehr in Betrieb.

      Internationaler Diskurs

      International ist die Situation vielfältig. Es gibt auch andere Länder, die sich von der Nutzung der Kernenergie verabschieden (z.B. Belgien, Schweiz, Taiwan). Es gibt aber auch zahlreiche Länder, die diese beibehalten (z.B. Japan, Schweden, Mexiko) oder sogar ausbauen wollen (z.B. Frankreich, Finnland, Argentinien).

    • Kernenergie als grüne Energie?