Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 6

    • Perspektiven der Energieträger und Aspekte des Imports


      Perspektiven der Energieträger in Deutschland
      Im Prinzip ist eindeutig, dass Stein- und Braunkohle gegenüber Erdgas eine deutlich schlechtere CO2 und Umweltbilanz haben. Selbst der Umstand, dass Braunkohle derzeit in Deutschland abgebaut wird und nicht transportiert werden muss, wiegt die Nachteile der Emissionen nicht auf. Die Emissionen die bei der Förderung und beim Transport von Erdgas entstehen sind enorm, jedoch sind die Gesamtemissionen von der Förderung bis zur Verbrennung immer noch geringer als bei Kohle oder auch Erdöl. Vor diesem Hintergrund wurden politische Konsequenzen gezogen und in der Zukunft wird neben Erneuerbaren Energien, die wir später im Detail besprechen werden, auf Erdgas als Energieträger gesetzt. Hierbei spielt auch die erwähnte Flexibilität der Kraftwerke und die bessere Möglichkeit zum Einsatz in der Kraft-Wärme-Kopplung, insbesondere gegenüber der Braunkohle, eine Rolle.

      (Grafik "Spezifische Kohlendioxidemissionen verschiedener Brennstoffe" von Volker Quaschning, Lizenz: CC-BY-SA)

      Nichtsdestotrotz spielt Kohle nach wie vor (Stand Februar 2024) eine gewichtige Rolle in der Energieversorgung in Deutschland, wie dieser Grafik (© Umweltbundesamt 2025) zu entnehmen ist. In den Regionen mit großen Tagebauen wird ein Großteil der Elektrizität mit Braunkohle erzeugt.

    • Aspekte des Imports von Rohstoffen
      Deutschland importiert einen Großteil seiner Rohstoffe und es ist abzusehen, dass dies so bleiben wird. In jüngerer Vergangenheit wurde am Beispiel Russland deutlich, welche politischen Begleiterscheinungen solche Abhängigkeiten mit sich bringen. Nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine 2022 bestand das Bedürfnis, Russland für dieses Verhalten zu sanktionieren. Gleichzeitig war Deutschland von Energieimporten aus Russland abhängig und die unsichere Situation führte zu starken Preiserhöhungen.

      Es ist zu vermuten, dass solche Konflikte kein Einzelfall bleiben werden. Das liegt daran begründet, dass Deutschland seinem Selbstverständnis nach eine liberale Demokratie ist, die den Anspruch hat moralische Werte, wie zum Beispiel Menschenrechte, auch international zu vertreten. Das Dilemma hierbei ist, dass viele ressourcenreiche Länder Autokratien sind oder zumindest von den demokratischen Standards vieler westlicher Länder abweichen und gleichzeitig eine Abhängigkeit von diesen Ländern besteht, um die entsprechenden Rohstoffe zu beziehen. Natürlich gibt es prominente Ausnahmen, wie Norwegen, Australien, Kanada oder die USA, die reich an verschiedenen Ressourcen sind und dennoch Demokratien sind.


      Ressourcenfluch-Theorie

      Der sogenannte Ressourcenfluch-Theorie ist ein Konzept, welches beschreibt, dass der Ressourcenreichtum direkt mit einem Mangel an Demokratie in einem Land verknüpft ist. Dies wird dadurch begründet, dass für die Ausbeutung von Bodenschätzen nur wenig qualifiziertes Personal benötigt wird, um große finanzielle Erlöse zu erzielen. Den Regierenden steht also viel Geld zur Verfügung, dass sie nicht aus Steuereinnahmen generieren müssen.

      Ressourcenarme Länder, wie Deutschland, generieren ihr Geld aus Steuereinnahmen. Dafür müssen Voraussetzungen wie z.B. Bildung und Infrastruktur geschaffen werden, die eine leistungsfähige Wirtschaft ermöglichen, die wiederum Steuern zahlen kann. Gezahlte Steuern erzeugen aber ebenso das Bedürfnis über die Verteilung der finanziellen Mittel mitentscheiden zu können. Diese Mitbestimmung ist im Rahmen einer Demokratie gewährleistet. In den Staaten, die weniger auf Steuereinnahmen angewiesen sind, ist das Interesse an wirtschaftlicher Aktivität möglicherweise geringer, es ist eventuell auch nicht notwendig in die Bildung zu investieren, um hohe Steuereinnahmen zu garantieren.

      Diese Theorie wird durch folgende Grafik unterstützt. Hier ist die Zeit unter demokratischen Verhältnissen in bestimmten Ländern gegen das durchschnittliche Einkommen aus Ölexporten aufgetragen. Es ist deutlich zu sehen, dass Länder, die hohe Einkünfte aus Ölexporten haben meist nicht demokratisch regiert sind.

      (Grafik: © Project on Middle East Political Science (POMEPS): Subsidy reform and tax increases in the rentier Middle East, URL: https://pomeps.org/subsidy-reform-and-tax-increases-in-the-rentier-middle-east)

      Daraus folgt, dass eine hohe Abhängigkeit von Rohstoffen, egal ob Energierohstoffe oder bestimmte Erze, auch in Zukunft Dilemmata mit sich bringen werden, weil man mit dem Import von Rohstoffen auch dazu beiträgt, dass in vielen Ländern Bedingungen vorherrschen, unter denen Menschen in Deutschland nicht leben wollen. Hierbei spielen Energierohstoffe eine besondere Rolle, da die Lagerung der Energieträger nur sehr begrenzt möglich ist und im Gegensatz zu anderen Rohstoffen auch kein Recycling denkbar ist. D.h. man ist auf einen relativ konstanten Import angewiesen, gleichzeitig werden große Mengen benötigt.