Aspekte des Imports von Rohstoffen

Deutschland importiert einen Großteil seiner Rohstoffe und es ist abzusehen, dass dies so bleiben wird. In jüngerer Vergangenheit wurde am Beispiel Russland deutlich, welche politischen Begleiterscheinungen solche Abhängigkeiten mit sich bringen. Nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine 2022 bestand das Bedürfnis, Russland für dieses Verhalten zu sanktionieren. Gleichzeitig war Deutschland von Energieimporten aus Russland abhängig und die unsichere Situation führte zu starken Preiserhöhungen.
Es ist zu vermuten, dass solche Konflikte kein Einzelfall
bleiben werden. Das liegt daran begründet, dass Deutschland seinem
Selbstverständnis nach eine liberale Demokratie ist, die den Anspruch hat
moralische Werte, wie zum Beispiel Menschenrechte, auch international zu
vertreten. Das Dilemma hierbei ist, dass viele ressourcenreiche Länder
Autokratien sind oder zumindest von den demokratischen Standards
vieler westlicher Länder abweichen und gleichzeitig eine Abhängigkeit von
diesen Ländern besteht, um die entsprechenden Rohstoffe zu beziehen. Natürlich
gibt es prominente Ausnahmen, wie Norwegen, Australien, Kanada oder die USA,
die reich an verschiedenen Ressourcen sind und dennoch Demokratien sind.
Ressourcenfluch-Theorie
Der sogenannte Ressourcenfluch-Theorie ist ein Konzept,
welches beschreibt, dass der Ressourcenreichtum direkt mit einem Mangel an
Demokratie in einem Land verknüpft ist. Dies wird dadurch begründet, dass für
die Ausbeutung von Bodenschätzen nur wenig qualifiziertes Personal benötigt
wird, um große finanzielle Erlöse zu erzielen. Den Regierenden steht also viel
Geld zur Verfügung, dass sie nicht aus Steuereinnahmen generieren müssen.
Ressourcenarme Länder, wie Deutschland, generieren ihr Geld
aus Steuereinnahmen. Dafür müssen Voraussetzungen wie z.B. Bildung und
Infrastruktur geschaffen werden, die eine leistungsfähige Wirtschaft
ermöglichen, die wiederum Steuern zahlen kann. Gezahlte Steuern erzeugen aber
ebenso das Bedürfnis über die Verteilung der finanziellen Mittel mitentscheiden
zu können. Diese Mitbestimmung ist im Rahmen einer Demokratie gewährleistet. In
den Staaten, die weniger auf Steuereinnahmen angewiesen sind, ist das Interesse
an wirtschaftlicher Aktivität möglicherweise geringer, es ist eventuell auch
nicht notwendig in die Bildung zu investieren, um hohe Steuereinnahmen zu
garantieren.
Diese Theorie wird durch folgende Grafik unterstützt. Hier ist die Zeit unter demokratischen Verhältnissen in bestimmten Ländern gegen das durchschnittliche Einkommen aus Ölexporten aufgetragen. Es ist deutlich zu sehen, dass Länder, die hohe Einkünfte aus Ölexporten haben meist nicht demokratisch regiert sind.

(Grafik: © Project on Middle East Political Science (POMEPS): Subsidy reform and tax increases in the rentier Middle East, URL: https://pomeps.org/subsidy-reform-and-tax-increases-in-the-rentier-middle-east)
Daraus folgt, dass eine hohe Abhängigkeit von Rohstoffen,
egal ob Energierohstoffe oder bestimmte Erze, auch in Zukunft Dilemmata mit
sich bringen werden, weil man mit dem Import von Rohstoffen auch dazu beiträgt,
dass in vielen Ländern Bedingungen vorherrschen, unter denen Menschen in
Deutschland nicht leben wollen. Hierbei spielen Energierohstoffe eine besondere
Rolle, da die Lagerung der Energieträger nur sehr begrenzt möglich ist und im
Gegensatz zu anderen Rohstoffen auch kein Recycling denkbar ist. D.h. man ist
auf einen relativ konstanten Import angewiesen, gleichzeitig werden große
Mengen benötigt.