Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Erdgas als Energieträger

      Erdgas ist der drittwichtigste fossile Energieträger in Deutschland zur Erzeugung von Strom. Es besteht zum Großteil aus Methan. Für methanhaltige Gase gibt es verschiedene Quellen. Das konventionelle Erdgas ist dabei noch die häufigste Quelle. Es ist in tiefen Gesteinsschichten an bestimmten Stellen gesammelt und kann als Gas abgepumpt werden. Folgend eine Auflistung verschiedener Gasquellen (vgl. van Basshuysen & Flierl (2023)):

      Es wird zwischen konventionellen und nicht-konventionellen Erdgasressourcen unterschieden. Konventionelles, assoziiertes und stranded Gas zählen zu den konventionellen Erdgasressourcen, alle anderen zu den nicht-konventionellen. Die konventionellen Erdgasressourcen können durch etablierte Techniken gefördert werden. Konventionelles Gas wird durch Bohrungen gefördert, die das unter Druck stehende Gas an die Oberfläche bringen, wo es dann aufbereitet wird (vgl. van Basshuysen & Flierl (2023)). Die Förderung der nicht-konventionellen Ressourcen ist deutlich komplizierter, als die der konventionellen Ressourcen. Die Methoden unterscheiden sich hier je nach Art der verschiedenen Gasressourcen.

      Hydraulic Fracturing (Fracking)

       

      Eine bekannte und umstrittene Methode ist das sogenannte hydraulic fracturing, das umgangssprachlich als Fracking bezeichnet wird. Die gashaltigen Gesteinsschichten werden aufgebrochen in dem ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien eingepresst wird und das enthaltene Gas entweicht. An der Methode wird neben dem hohen Verbrauch an Wasser vor allem der Einsatz der Chemikalien kritisiert. Das Chemikaliengemisch ist komplex und erfüllt verschiedene Funktionen:  

      (Quelle: © Umweltbundesamt: Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Kurzfassung, 2012)

      Diese Chemikalien sind zum Großteil als toxisch für Mensch und Umwelt einzustufen. Es besteht die Befürchtung, dass die Chemikalien in das Grundwasser gelangen und dieses verunreinigen können. Die Zusammensetzung der Chemikalien und die Wahrscheinlichkeit, dass die Chemikalien, die in sehr großer Tiefe eingesetzt werden, tatsächlich in das Grundwasser gelangen können, hängt auch von den örtlichen Gegebenheiten am jeweiligen Förderort ab.

       
    • Im Gegensatz zu Öl und Kohle gibt es in Deutschland zahlreiche Vorkommen von nicht-konventionellen und auch konventionellen Erdgaslagerstätten. Gerade in Niedersachsen werden zahlreiche konventionelle Erdgaslagerstätten ausgebeutet. Die geförderte Gasmenge trägt ca. 5% zum deutschen Erdgasverbrauch bei.

      Der Großteil des Erdgases, dass in Deutschland verbraucht wird, wird importiert. Gas kann über Rohrleitungen, sogenannte Pipelines, über weite Strecken gepumpt werden. Bis 2022 kam ein Großteil des deutschen Erdgases aus Russland. Davon der größte Teil über die Pipeline Nordstream 1, die durch die Ostsee führt. Im Zuge der Konflikte rund um den Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine wurden die Erdgasimporte aus Russland eingestellt. 


      Inzwischen importiert Deutschland einen Großteil seines Erdgases aus Norwegen. Es wurden aber auch sogenannte LNG-Terminals gebaut, die ermöglichen, dass verflüssigtes Erdgas (Liquified natural gas - LNG) per Schiff importiert werden kann.

      Grundsätzlich gilt Erdgas im Verhältnis zu den anderen fossilen Energieträgern als umweltfreundlich. Das liegt an den geringeren Emissionen von Staub, Stickoxiden, Schwefeloxiden und Schwermetallen bei der Verbrennung. Auch wird für dieselbe Menge Energie weniger CO2 freigesetzt. Moderne Gas- und Dampf-Kraftwerke haben einen hohen Wirkungsgrad und sind gerade gegenüber reinen Dampfkraftwerken deutlich flexibler einsetzbar, sodass sie gut geeignet sind Stromengpässe oder Stromspitzen auszugleichen. Ungünstig ist hingegen, dass bei Förderung und Transport von Erdgas dieses auch entweicht und Methan ein starkes Kilmagas ist.