Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 6

    • Reboundeffekte

      Der technologische Fortschritt bringt mit sich, dass viele Prozesse energieeffizienter geworden sind. U.a. führte die verbesserte Dämmung von Gebäuden zu einem geringeren Bedarf an Energie zur Erzeugung von Raumwärme pro m2 Wohnfläche (siehe 5.2.). Ebenso verbesserte sich die Effizienz von technischen Anlagen und Geräten.

      Beispiel

      Beispielsweise hat sich die Effizienz von Haushaltsgeräten, wie Kühlschränken und Waschmaschinen, in den vergangenen 30 Jahren drastisch verbessert, so dass viele Geräte bei gleicher Größe im Verhältnis zu den 90er Jahren nur noch ein Drittel bis ein Viertel des damaligen Energiebedarfs zeigen.


      (Abbildung: © Daten: dena - www.stromeffizienz.de, Grafik: BMWi)

      Wenn technologische Fortschritte Einsparungen bei der Menge der benötigten Energie ermöglichen, folgt daraus nicht immer auch ein geringerer Energieverbrauch. Wie wir in Lektion 3 gesehen haben, sinkt der Energiebedarf teilweise, aber nicht in dem Maße, wie die gesteigerte Effizienz es ermöglichen würde. Unter Umständen wird trotz initialer Einsparungen schlussendlich mehr Energie benötigt, ein Phänomen, dass als Reboundeffekt bezeichnet wird.


      Reboundeffekt

      Definition des Reboundeffekts nach Pufé (2017):

      „Der Rebound- oder Bumerang-Effekt besagt, dass verbesserte Material- oder Energieeffizienz über sich anschließende Effekte evtl. absolut zu einem nicht beabsichtigten Mehrverbrauch an Material oder Energie führen kann. Dadurch, dass effizienzbedingt Produkte günstiger angeboten werden können, kaufen Konsumenten z.B. mehr Produkte oder ersetzen die Produkte häufiger. Typische Beispiele sind Computer oder Mobiltelefone.“

    • Sowohl der direkte als auch der gesamtgesellschaftliche Reboundeffekt wurden vorher schon thematisiert. Zum Beispiel nimmt die Wohnfläche pro Menschen in Deutschland zu - was natürlich auch mit gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten zu tun. Fakt ist aber, dass eingespartes Geld oft zu mehr Energieaufwand führt.



      Der Reboundeffekt ist im Rahmen privaten Konsumverhaltens besonders gut darzustellen. Tatsächlich führt eine größere Effizienz in wirtschaftlichen Prozessen, wie zum Beispiel der Produktion von Waren, auch nicht dazu, dass die Wirtschaft weniger Energie benötigt. Der Energiebedarf der deutschen Wirtschaft ist relativ konstant und sinkt in Jahren mit Wirtschaftskrisen (2009, 2020). Die durch höhere Effizienz eingesparte Energie wird für eine höhere Produktion wieder aufgezehrt, bzw. wachsen manche Branchen auch und verbrauchen dann trotz effizienteren Prozessen mehr Energie.