Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB
Lektion 4
Lokale Folgen menschlicher Aktivität
Menschliche Aktivitäten haben mannigfaltige Auswirkungen auf die Umwelt. Manche davon sind umkehrbar (reversibel) andere sind irreversibel. Solche Folgen können im Prinzip überall auf der Welt beschrieben werden. Neben der moralischen Motivation andere Lebewesen möglichst nicht zu töten oder zu verdrängen, gibt es auch pragmatische Gründe die Zerstörung von Ökosystemen kritisch zu betrachten: Ökosysteme erfüllen für die Menschheit verschiedene Funktionen, die als sogenannte Ökosystemdienstleistungen bezeichnet werden.
Diese können in vier Bereiche unterteilt werden:
regulierende,
versorgende,
unterstützende und
kulturelle Dienstleistungen.
Im
Folgenden wird beispielhaft gezeigt, wie solche Auswirkungen aussehen können
und welcher Aufwand betrieben werden muss, um sie einzudämmen.
Lokale Folgen am Beispiel des Ruhrgebiets
Das Ruhrgebiet ist ein Ballungsraum im Westen Deutschlands, der seit Beginn der Industrialisierung große Bedeutung für die Gewinnung von Kohle und verschiedenen Erzen hatte. Heute ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum Deutschlands und ist durch die letzten 150 Jahre intensiver industrieller und bergbaulicher Aktivität geprägt. Mittlerweile wurden Bergbau und Schwerindustrie in dieser Region weitgehend aufgegeben. Die Umweltfolgen werden jedoch noch über lange Zeiträume spürbar sein und sind zum Teil irreversibel. In der Tabelle sind die Folgen verschiedener wirtschaftlicher Sektoren für das Ruhrgebiet zusammengefasst:
(Darstellung orientiert an: Meyer,
D. E. (2022). Geofaktor Mensch: Eingriffe in die Umwelt und ihre Folgen.
Springer Berlin Heidelberg)
Beispiel Höhenabsenkung
Übersicht berechneter Höhendifferenzen aus einem Vergleich von Höhenangaben von 1892 und digitalen Geländemodellen für das westfälische Ruhrgebiet in 2010.
In den mittlerweile nicht mehr genutzten Schächten des
Bergbaus sammelt sich Wasser, das schon früher abgepumpt wurde um die Rohstoffe
zugänglich zu machen. Heute muss das Wasser abgepumpt werden, weil sonst eine
Vermischung des schadstoffreichen Grubenwassers mit dem darüberliegenden
Grundwasser droht, welches als Trinkwasserquelle benötigt wird. Das
Grubenwasser enthält Salze, Schwermetalle und organische Schadstoffe. Eine
vollständige Flutung der Schächte würde auch zur Überflutung mancher Regionen des
Ruhrgebiets führen, die in den vergangenen 150 Jahren abgesunken sind. Das
Abpumpen des Grubenwassers wird als sogenannte Ewigkeitsaufgabe bezeichnet,
weil es vermutlich für immer fortgesetzt werden muss. Das Abpumpen ist
natürlich enorm energieintensiv.