Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Erste politische Konsequenzen und der globale Wandel


      Der Brundtland-Bericht

      Basierend auf den Erkenntnissen des Club of Rome, die aber auch von anderen Akteuren beschrieben wurden, sind auch politische Akteure aktiv geworden. Die Vereinten Nationen setzten 1983 die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz der norwegischen Politikerin Gro Harlem Brundtland ein. Der Bericht dieser Kommission erschien 1987 unter dem Titel "Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung.". Der Bericht enthielt verschiedene Schlüsselformulierungen:


      (Quelle: World Commission on Environment and Developement (1987): Report of the World Commission on Environment and Development: Our Common Future)


      Der Brundtland-Bericht stellte also Forderungen, die eine radikale Abkehr von den bisherigen Entwicklungen empfahl. Der Bericht berücksichtigt auch soziale Aspekte, wie die Schere zwischen Arm und Reich im Allgemeinen, aber auch die Ungleichverteilung zwischen Industrieländern und Ländern des globalen Südens. Der Bericht wurde in Deutschland vom damaligen Bundesforschungsminister Volker Hauff herausgegeben. Das Ziel einer nachhaltigen Politik wurde erstmals mit großer Reichweite kommuniziert.


      Die Agenda 21

      1992 fand in Rio de Janeiro die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) statt. Hier wurde ein Aktionsprogramm beschlossen, dass als Agenda 21 bezeichnet wurde. Das Programm griff Inhalte des Brundtland-Berichts auf, enthielt aber auch einen neuen Aspekt: Erstmals wurde konkret das Ziel formuliert, weniger Treibhausgase zu emittieren. Dies hatte mit der Erkenntnis zu tun, dass vor allem durch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid eine Veränderung der klimatischen Verhältnisse ausgelöst wird, die zur Erwärmung der Erde führen wird.

      Die Agenda 21 formulierte konkrete Ziele die zu einer nachhaltigeren Politik führen und die von den jeweiligen Regierungen der Länder umgesetzt werden sollten. Dabei wurden vier Bereiche unterschieden:

    • Megatrends des globalen Wandels
      Die Umsetzung der Ziele der Agenda 21 wurde unzureichend vorangetrieben. Zwar gab es Bemühen einzelner Regierungen die vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen, dies geschah allerdings nicht in der notwendigen Konsequenz, die die negativen Entwicklungen hätte stoppen können. Daher wurden immer wieder große internationale Konferenzen abgehalten, die zum Ziel hatten einen besseren Umgang mit Umwelt und Ressourcen zu erreichen.
      Bis 2015 fanden allein 21 Klimakonferenzen statt, auf denen sich die Staaten auf mehr oder weniger feste Ziele einigten. Zwanzig Jahre nach Verabschiedung der Agenda 21 war das gesellschaftliche und politische Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderungen gestiegen. Die Folgen des menschlichen Handelns waren schon viel stärker zu spüren. Durch wissenschaftliche Arbeiten waren die Folgen menschlichen Handelns besser analysiert und konkrete Prognosen verfügbar, die zum Teil pessimistischer und drastischer sind, als die des Club of Rome in den 1970er Jahren.

      Werner Mittelstaedt fasste die aktuellen und prognostizierten Entwicklungen im Jahr 2012 in Form von sechs sogenannten Megatrends zusammen. Megatrends deshalb, weil Sie global relevant waren und ihre Folgen besonders drastisch sein könnten. Diese Megatrends verursachen tiefgehende ökologische, soziale und ökonomische Krisen, die allerdings mit einer konsequenten nachhaltigen Entwicklung gelöst werden könnten:


      (Mittelstaedt (2012): "SMALL: Warum weniger besser ist und was wir dazu wissen sollten", Peter Lang GmbH, S.25-127)

      Die Probleme, die der Club of Rome 40 Jahre vorher aufgezeigt hatte, blieben bestehen und es kamen in Form von Klimawandel und dem Biodiversitätsverlust, also dem beschleunigten Aussterben von Tier und Pflanzenarten, weitere Folgen hinzu.