Umweltveränderungen und Ressourcenknappheit als Folge der Industrialisierung
Durch das
Wachstum der globalen Bevölkerung, die Nutzung von verschiedensten
Ressourcen und die Möglichkeiten des technischen Fortschritts kam es zu
drastischen Veränderungen für die Umwelt. Wälder wurden so stark abgeholzt,
dass es in Europa nur noch kleinste Flächen ursprünglicher Wälder gibt, Flüsse
wurden begradigt, ganze Landschaften abgetragen, etc. Begleitet wurden diese
Aktivitäten durch die Freisetzung von giftigen Chemikalien (z.B. Gerbmittel aus
Gerbereien, freigesetzte Säuren durch den Bergbau, Staub und Ruß bei Verbrennungen),
die sich schädlich auf Umwelt und Menschen auswirkten.
Durch die verbesserten
Möglichkeiten Rohstoffe zu transportieren, beschränkten sich die
Veränderungen nicht nur auf Länder, in denen die Industrialisierung stattfand, auch Regionen mit geringer Bevölkerungszahl waren betroffen. Kurzum,
bereits Mitte des 20. Jahrhunderts war die Welt so stark verändert, dass
zahlreiche Menschen anfingen diese Entwicklungen kritisch zu begleiten.
Neben den
Umweltveränderungen wurde ein weiteres Problem sichtbar, dass wir schon aus
vorindustrieller Zeit am Beispiel der Ressource Holz auf regionaler Ebene
kennengelernt haben: Ressourcen wurden als begrenzt erkannt. Viele Ressourcen
sind ohnehin auf der Welt ungleich verteilt und müssen gehandelt werden.
Maßgebend für die Ausbeutung von Ressourcen waren wirtschaftliche Aspekte. Der
Gedanken der Nachhaltigkeit von Carlowitz (siehe Lektion 2), fand allenfalls lokal in der
Forstwirtschaft Anwendung. Aber nach mehr als einem Jahrhundert intensivster
und stetig zunehmender Förderung von Mineralien, Kohle und Öl und einer sich
immer weiter ausbreitenden Zivilisation wurde klar, dass diese Ressourcen nicht
unbegrenzt verfügbar sind. Auch diese Folge des Fortschritts wurde von vielen
Menschen kritisch betrachtet und führte zu ersten Warnungen.
Umweltveränderungen
und Ressourcenknappheit wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
zunehmend kritisch diskutiert. Einer der meistbeachteten Beiträge zu diesem
Thema war die Publikation "The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome’s Project on the
Predicament of Mankind" (Meadows et al., 1972) zu Deutsch "Die Grenzen des Wachstums. Bericht
des Club of Rome zur Lage der Menschheit", die 1972 erschien.
Club of Rome
Der 1986 gegründete Club of Rome ist ein Zusammenschluss verschiedener Experten aus mehr als 30 Ländern und unterschiedlichen Disziplinen. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung ein. Die 1972 veröffentlichten Studie "Die Grenzen des Wachstums" erhielt große Aufmerksamkeit, da sie den Nachweis brachte, dass das individuelle Handeln aller Menschen globale Auswirkungen hat und das über eine sehr lange Zeit.
Der Club of Rome bringt seit dem regelmäßig Berichte zur globalen nachhaltigen Entwicklung heraus.
Weitere Informationen unter: www.clubofrome.org
Der Begriff Nachhaltigkeit wurde hierbei gegenüber den Aspekten,
die Hans Carl von Carlowitz für die Bewirtschaftung von Wäldern bewegt hatten,
erweitert:
Endlichkeit aller Ressourcen
Es ging nicht mehr nur darum zu verhindern, dass ein einzelnes natürliches System nicht übernutzt werden sollte, sondern darum, die gesamte Erde so zu erhalten, dass kommende Generationen ähnliche Möglichkeiten zum Leben und wirtschaften vorfinden. Hierbei spielt auch der Aspekt eine Rolle, dass die meisten entnommenen Ressourcen im Unterschied zu Holz nicht nachwachsen und wenn sie verbraucht werden nachkommenden Generationen nicht mehr zu Verfügung stehen.
Dies wurde unter anderem für die Ressourcen Boden und
Öl immer deutlicher. Für bestimmte Ressourcen wurden auch zu frühen Zeiten schon Regeln zur
Schonung erlassen. Beispielsweise wurden bereits in den 1930er Jahren in manchen
Regionen für Fischbestände Fangquoten eingeführt, die auf einem sogenannten
"maximal sustainable yield" (Maunder, 2008), also maximal nachhaltigem Ertrag, beruhten. Solche Regeln waren aber, auf die Gesamtheit
aller Ressourcen bezogen, die Ausnahme.
Der Bericht des Club of Rome
prognostizierte basierend auf Simulationen, dass bei gleichbleibenden Wachstum
von Wirtschaft und Bevölkerung spätestens bis zum Jahr 2100 die Grenzen dieser
Entwicklung erreicht wären und es danach zu einem Schrumpfen von Bevölkerung
und Wirtschaft kommen würde. Der Bericht regte deshalb eine nachhaltige
Entwicklung (original: sustainable development) an, um diese Szenarien zu
vermeiden.