Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 2

    • Übernutzung von Ressourcen, ihre Folgen und die Entstehung des Begriffs Nachhaltigkeit


      Definition Ressourcen

      Der Begriff Ressource stammt aus dem französischen und bedeutet übersetzt "Mittel" oder "Möglichkeit". Das Wort wird in verschiedenen Kontexten synonym mit den Worten Arbeitsmittel, Betriebsmittel, Hilfsmittel oder auch Produktionsmittel verwendet. Für diese Lehrveranstaltung definieren wir Ressourcen als begrenzt verfügbare Grundlagen wirtschaftlichen Handelns. 

      (vgl. Linow, 2019)

    • Untergang von Kulturen durch Übernutzung von Ressourcen

      Die Problematik des möglichen Wegfalls von Ressourcen oder der Knappheit der Ressourcen kann am Bespiel der dauerhaften Sicherung von Nahrung noch einmal deutlich gemacht werden:

      Beispiel

      Wie bereits erwähnt wird die Nahrung in sesshaften Gesellschaften zum Großteil durch Landwirtschaft erzeugt. Durch Rodung und Bodenbearbeitung müssen zunächst Flächen für Ackerbau und Viehzucht urbar gemacht werden. Diese Flächen werden dann durch den Anbau von Pflanzen oder die Haltung von Weidetieren bewirtschaftet. In vielen Regionen muss für den Anbau von Kulturpflanzen aber zusätzlich gewässert werden. Ungewöhnliche Wetterphänomene wie Dürren, Überschwemmungen oder Kälteperioden können dafür sorgen, dass über Jahre weniger oder kaum geerntet werden kann.

      Für einige Kulturen, wie zum Beispiel die Hochkultur der Maya (300 – 900 n. Chr.) in Mittelamerika oder die Hochkultur im alten Mesopotamien (2400 bis 1200 v Chr.), wird heute davon ausgegangen, dass die Übernutzung natürlicher Ressourcen der Grund für den Untergang dieser Gesellschaften war. In beiden Fällen war wohl die Nutzung des Bodens für die Landwirtschaft ein Problem das zu unumkehrbaren Entwicklungen führte.

      Nur wenn Boden ausreichend angemessen gedüngt und gegen Erosion geschützt wird, bleibt die Fruchtbarkeit erhalten oder kann sogar verbessert werden.

    • Im Falle der Maya waren die Gründe wohl komplexer. Hier führten umfangreiche Rodungen zur Erosion des Bodens, die zur Folge hatten, dass dieser an Fruchtbarkeit verlor. Der Verlust des Waldes führte wohl auch zu klimatischen Veränderungen, die massive Trockenheit zur Folge hatten. Die Kombination dieser und anderer Faktoren führte dazu, dass diese Kultur zusammenbrach (vgl. Kennett & Beach, 2013).

      Die Ressource Holz in vorindustrieller Zeit

      Europa war ursprünglich überwiegend von Wald bedeckt. Das Holz nutzten Menschen zum Heizen und Kochen, als Baumaterial und für die Fertigung von Werkzeugen. Mit zunehmendem Fortschritt und technologischer Entwicklung stieg der Bedarf an Holz in manchen Regionen in einem solchen Maß, das sichtbar wurde, dass langfristig kein Holz mehr verfügbar sein würde. Dies geschah zum Beispiel in Regionen, in denen viele Schiffe gebaut wurden oder auch in Bergbauregionen. Währen 10.000 v.Chr. weite Teile Europas dicht bewaldet waren, ging der Anteil des Waldes durch die genannten Entwicklungen immer weiter zurück. Nur in Teilen Nordeuropas sind heute Wälder noch in ursprünglicher Dichte erhalten.

      Holz ist prinzipiell eine nachwachsende (regenerative) Ressource. Allerdings dauert es je nach Baumart ca. 80 Jahre bis aus einem Samen ein massiver Baum gewachsen ist, der für die Herstellung langer Balken, Bohlen und Bretter geeignet ist.

      In Venedig, das in der Zeit zwischen dem 13. Jh. und 16.Jh. ein bedeutendes Zentrum des Handels und der Seefahrt war, wurde irgendwann sichtbar, dass Bäume für den Schiffbau von immer weiter weg transportiert werden mussten. Als Folge wurden Gesetze und Regeln erlassen, die die Abholzung von Wäldern regulierten. Die Abholzung mancher Wälder wurde für lange Zeiträume untersagt, um zu sichern, dass hier Bäume ungestört nachwachsen konnten. So sollte eine gleichbleibende Holzversorgung gesichert werden.

      Ähnliches geschah auch in anderen Regionen Europas. Im Erzgebirge wurde umfangreicher Bergbau betrieben, sowohl für den Abbau von Erzen, zur Sicherung der Stollen mit Holzpfählen, als auch für die Verhüttung der Erze mit Holzkohle wurde massenweise Holz benötigt. Es wurde sichtbar, dass ein ungebremster Kahlschlag der Wälder dazu führen würde, dass in Zukunft kein Holz mehr verfügbar wäre.

      Hans Carl von Carlowitz, Leiter des Oberbergamts in Freiberg im Erzgebirge, veröffentlichte 1732 die Sylvilcultura Oeconomica, in der er beschrieb, wie Holz so genutzt werden sollte, dass auch in der Zukunft genug davon vorhanden ist. Bäume die entnommen werden müssten nachgepflanzt werden und es darf nur so viel entnommen werden, wie im selben Zeitraum nachwächst. 

      Dieses Prinzip ist die ursprüngliche Bedeutung von Nachhaltigkeit. Die Nutzung eines regenerierbaren natürlichen Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann (vgl. Pufé, 2017).

      Auf nicht natürliche Systeme übertragen ist Nachhaltigkeit ein ressourcenökonomisches Prinzip, das ermöglicht eine Ressource dauerhaft ertragsbringend zu nutzen.