Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 6

    • Perspektiven auf die Umstellung zu einer nachhaltigen Gesellschaft

      Vermeidung von Reboundeffekten
      Bei den Einsparungen an Ressourcen durch effizientere Technologien besteht die Herausforderung Reboundeffekte zu vermeiden. Es wurde schon angesprochen, dass im Mobilitätssektor Reboundeffekte eine große Rolle spielen.

      Beispiel

      Konkret ist zwischen 2005 und 2022 der Kraftstoffbedarf eines Autos gleicher Größe um 30% gefallen.


      In der gleichen Zeit ist der Anteil großer PkW aber deutlich gestiegen und der von kleineren PKW geschrumpft. Die größeren PkW verbrauchen wiederum mehr Energie, sodass die Einsparungen durch effizientere Technologien ausgeglichen werden. Der Energiebedarf pro Kilometer von PkW ist in den letzten 20 Jahren sogar leicht gestiegen.


      (Grafik: Pierpaolo Cazzola (2023), S.2)

      Wenn es wirklich eine Entwicklung zu einer nachhaltigeren Gesellschaft geben soll, müssen solche Effekte vermieden werden. Bei einer konstanten Größe der PKW wären große Einsparungen an Energie und Emissionen möglich gewesen. Stattdessen hat sich der CO2-Ausstoß von PKW zwischen 1990 und 2022 um 24% erhöht.

      Die Energiewende hat dazu geführt, dass Energie deutlich teurer geworden ist und es wird angenommen, dass die Preise langfristig konstant bleiben. Andere Länder, wie zum Beispiel die USA und China, haben günstigere Energiepreise, auch weil sie anteilig weniger Erneuerbare Energien einsetzen, und können deshalb kostengünstiger Waren herstellen. Es ist nicht im Sinne von Nachhaltigkeit, wenn energieintensive Prozesse einfach ins Ausland verlagert werden, weil dort die Energie günstiger ist. Durch den Konsum der entsprechenden Produkte, ist die Ressourcenbilanz der Konsumenten ebenso stark oder stärker belastet, als wenn es in Deutschland hergestellt würde.
    • Gedanken zu einer anderen Art zu Wirtschaften
      Im derzeitigen Wirtschaftssystem können Wohlstand und Lebensstandard nur erhalten werden, wenn es ein Wirtschaftswachstum gibt. Es wird von verschiedenen Wissenschaftlern und Politikern angezweifelt, dass ein unbegrenztes Wachstum mit einer nachhaltigen Nutzung der verfügbaren Ressourcen vereinbar ist. Vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen die Lebens- und Wirtschaftsweise umzustellen, gibt es verschiedene Vorschläge das Wirtschaftssystem zu verändern.
      Häufig wird die Notwendigkeit der sogenannten Entkopplung beschrieben. Im Kontext von Nachhaltigkeit ist damit gemeint, dass mit dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts der Ressourcenverbrauch nicht zunimmt (Ressourcenentkopplung) bzw. dass mit dem Wirtschaftswachstum die Umweltauswirkungen nicht größer werden (Entkopplung von Umweltauswirkungen).
      In der folgenden Grafik ist dieser Ansatz zusammengefasst: (Grüner Pfeil: Ressourcenverbrauch/Umweltauswirkungen; organer Pfeil: Bruttoinlandsprodukt)

      (Quelle:© Ecologic Institute (2013), dynamix-project.eu)

      Als Fortführung dieses Gedankens wird auch vorgeschlagen, zukünftig nicht das Wirtschaftswachstum bzw. das Bruttoinlandsprodukt als Maßstab zu verwenden, sondern das menschliche Wohlbefinden. Dieser Ansatz, so wird postuliert, könnte größere Einsparungen von Ressourcen und Umweltauswirkungen ermöglichen. Die Effizienzsteigerung führt kontinuierlich dazu, dass eine relative Entkopplung stattfindet. Es ist aber umstritten, ob eine absolute Entkopplung möglich ist. 

      Ein Teil der Wissenschaftler, die diese absolute Entkopplung für unmöglich halten, vertreten das Konzept der Postwachstumsökonomie (siehe auch die Veranstaltung "Einführung in die Postwachstumsökonomie" der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit).

      Zitat Postwachstumsökonomie

      Die Postwachstumsökonomie ist eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaft. Sie vertritt verschiedene Grundannahmen:

      1. Reines Wachstum des Bruttoinlandsproduktes ist keine langfristige Option für die Gestaltung moderner Gesellschaften.
      2. Arbeitsteilige Industriegesellschaften sind auf permanentes BIP-Wachstum angewiesen.
      3. Eine Wirtschaft ohne Wachstum bzw. eine Postwachstumsökonomie ist möglich, und zwar durch diverse sich ergänzende Versorgungssysteme.

      Die Kernforderungen der Postwachstumsökonomie lauten:

      • Stärkung von lokaler und regionaler Selbstversorgung und Regionalökonomie
      • Partieller Rückbau von industriellen, insbesondere global arbeitsteiligen, Wertschöpfungsprozessen
      • Orientierung an der Suffizienzstrategie
      • Ansätze zu Geld- und Bodenreformen
      • Bestandserhalt statt Neuherstellung in der Produktion 
      • Subsistenz, De-Globalisierung bzw. Reregionalisierung (von Lebensstilen und Herstellungsketten)

      (Zitat nach Pufé (2017))

    • Sie sind nun am Ende dieser Veranstaltung angelangt. Toll, dass Sie bei unserer Veranstaltung "Grundlagen und Perspektiven der Energiewende" der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit dabei waren! Wir hoffen, dass Sie viel Freude beim Arbeiten mit den Inhalten hatten und viel Neues lernen konnten. 

      Wie geht es jetzt weiter? 

      Falls Sie einen Leistungsnachweis anstreben, möchten wir Sie an dieser Stelle in das Organisationskapitel zu Beginn des Kurses leiten. Dort finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Prüfungen sowie unsere Kontaktinformationen.