Gedanken zu einer anderen Art zu Wirtschaften
Im derzeitigen Wirtschaftssystem können Wohlstand und Lebensstandard nur erhalten werden, wenn es ein Wirtschaftswachstum gibt. Es wird von verschiedenen Wissenschaftlern und Politikern angezweifelt, dass ein unbegrenztes Wachstum mit einer nachhaltigen Nutzung der verfügbaren Ressourcen vereinbar ist. Vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen die Lebens- und Wirtschaftsweise umzustellen, gibt es verschiedene Vorschläge das Wirtschaftssystem zu verändern.
Häufig wird die Notwendigkeit der sogenannten Entkopplung beschrieben. Im Kontext von Nachhaltigkeit ist damit gemeint, dass mit dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts der Ressourcenverbrauch nicht zunimmt (Ressourcenentkopplung) bzw. dass mit dem Wirtschaftswachstum die Umweltauswirkungen nicht größer werden (Entkopplung von Umweltauswirkungen).
In der folgenden Grafik ist dieser Ansatz zusammengefasst: (Grüner Pfeil: Ressourcenverbrauch/Umweltauswirkungen; organer Pfeil: Bruttoinlandsprodukt)

(Quelle:© Ecologic Institute (2013), dynamix-project.eu)
Als Fortführung dieses Gedankens wird auch vorgeschlagen, zukünftig nicht das Wirtschaftswachstum bzw. das Bruttoinlandsprodukt als Maßstab zu verwenden, sondern das menschliche Wohlbefinden. Dieser Ansatz, so wird postuliert, könnte größere Einsparungen von Ressourcen und Umweltauswirkungen ermöglichen. Die Effizienzsteigerung führt kontinuierlich dazu, dass eine relative Entkopplung stattfindet. Es ist aber umstritten, ob eine absolute Entkopplung möglich ist.
Ein Teil der Wissenschaftler, die diese absolute Entkopplung für unmöglich halten, vertreten das Konzept der Postwachstumsökonomie (siehe auch die Veranstaltung "Einführung in die Postwachstumsökonomie" der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit).
Zitat Postwachstumsökonomie
Die Postwachstumsökonomie ist eine Teildisziplin der
Wirtschaftswissenschaft. Sie vertritt verschiedene Grundannahmen:
- Reines Wachstum des Bruttoinlandsproduktes ist
keine langfristige Option für die Gestaltung moderner Gesellschaften.
- Arbeitsteilige Industriegesellschaften sind auf
permanentes BIP-Wachstum angewiesen.
- Eine Wirtschaft ohne Wachstum bzw. eine
Postwachstumsökonomie ist möglich, und zwar durch diverse sich ergänzende
Versorgungssysteme.
Die Kernforderungen der Postwachstumsökonomie lauten:
- Stärkung von
lokaler und regionaler Selbstversorgung und Regionalökonomie
- Partieller Rückbau
von industriellen, insbesondere global arbeitsteiligen, Wertschöpfungsprozessen
- Orientierung an der Suffizienzstrategie
- Ansätze zu
Geld- und Bodenreformen
- Bestandserhalt statt Neuherstellung in der
Produktion
- Subsistenz, De-Globalisierung bzw. Reregionalisierung (von
Lebensstilen und Herstellungsketten)
(Zitat nach Pufé (2017))