Kurs: Grundlagen und Perspektiven der Energiewende | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Vergleich verschiedener Energiegewinnungstechnologien


      Auch die Gewinnung von Wärme mittels fossiler Energie setzt vergleichsweise viele Emissionen frei. Gleichzeitig hatten die erneuerbaren Technologien in diesem Bereich im Jahr 2023 nur einen Anteil von 18 %, wohingegen bei der Stromgewinnung schon ein Anteil von über 50 % bestand. Es besteht bei der Wärmegewinnung also ein deutlich größeres Potential für Verbesserung, aber auch ein größerer Handlungsbedarf.


      Energie wird teurer werden – die Energieklippe
      Es gibt in der Gesellschaft eine rege Diskussion, ob und wie eine Energiewende möglich ist. Immer wieder wird vorgebracht, dass die Energiewende für die Wirtschaft zu teuer ist und weiterhin fossile Energieträger und Kernkraft verwendet werden sollte. Tatsächlich sind die Sorgen berechtigt.
      Energie aus erneuerbaren Quellen ist zumeist teurer als Energie aus Kohle oder Erdöl. Der Grund liegt darin, dass Öl und Kohle relative einfach verfügbare Energien sind, wenn sie klassisch gefördert werden. Man muss wenig Energie investieren, um sehr viel Energie zu bekommen. Der Energy Returned on Energy Invested- EROI (siehe Kapitel 5) für Öl und Kohle liegt meist über dem der Erneuerbaren Energien. Allerdings kann auch Öl, wenn es durch Fracking und nicht durch klassische Bohrverfahren gewonnen wird, sehr aufwändig in der Gewinnung und damit teuer sein. Kohle und Steinkohle haben zwar unterschiedliche EROI-Werte, aber in der Regel einen Wert deutlich über 10. Andere Energiequellen, mit Ausnahme der Wasserkraft, erreichen Werte die deutlich niedriger sind, sprich es muss mehr Energie aufgebracht werden, um denselben Energiebetrag zu erzeugen.



      Dieses Absinken des EROI-Wertes wird auch als Energieklippe bezeichnet und als Argument dafür gesehen, dass die Kosten für die Erzeugung von Energie steigen. Zu Bedenken ist, dass sich der gezahlte Strompreis auch immer Steuern und Gebühren für die Erzeuger enthält und Marktpreise für die Energieträger aus verschiedensten Gründen schwanken, sodass Strompreisschwankungen nicht unbedingt immer mit den Erzeugungskosten gekoppelt sind.

      Ansätze zur Reduktion von Emissionen können die fossile Energieerzeugung verteuern: Es gibt z.B. Ansätze die Abgase fossiler Kraftwerke im Untergrund zu speichern um auf diese Art deren Klimaschädlichkeit zu reduzieren. Diese Technologie wird als Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet. Sie ist sehr aufwändig und wird wegen unbekannter Wirkung des gespeicherten CO2 auch kritisch betrachtet. Der große Aufwand des CCS führt dazu, dass der EROI-Wert der Fossilen dann nicht mehr größer ist als bei erneuerbaren Energiequellen (vergleiche vorige Abbildung).

      Außerdem müssen fossile Kraftwerke auch sogenannte Zertifikate für die Emission von CO2 kaufen. Diese Zertifikate wurden dazu eingeführt, um einen Anreiz zu schaffen, weniger CO2 zu emittieren. Bei der Einbeziehung dieser Kosten und davon ausgehend, dass Kraftwerke neu gebaut würden, sind die Vorteile der fossilen Energien dann nicht mehr vorhanden.


      (Grafik: Kost et al. (2021), S.2)