Gewinnung und Nutzung von Biogas
Biogas ist die Bezeichnung für ein Gemisch von Methan und Kohlenstoffdioxid, dass bei bestimmten biologischen Prozessen, genannt Methanogenese, entsteht. Der Prozess der Methanogenese findet in der Natur statt, vor allem in Sedimenten von Gewässern, aber auch in Mooren und Böden. Das fossile Erdgas geht auf denselben Prozess zurück. Vorrausetzung für die Methanogenese ist die Abwesenheit von Sauerstoff und das Vorhandensein von Verbindungen, die durch Gärungen entstehen. Gärungen sind mikrobielle Prozesse, die unter Sauerstoffabschluss stattfinden. Die Mikroorganismen nutzen die Gärung, um damit Energie zu gewinnen, so wie Menschen und viele andere Organismen Atmung betreiben (siehe Kapitel 4.). Bei der Atmung wird die chemische Energie, die in organischen Polymeren, wie zum Beispiel Zuckern, Eiweißen und Fetten gebunden ist, in körpereigene chemische Energie umgewandelt, die dann wiederum für die verschiedenen Prozesse in Zellen und Körpern genutzt wird. Organische Verbindungen werden zu CO
2 oxidiert, dabei werden Elektronen und Wasserstoffatome frei, die auf Sauerstoff übertragen werden, wodurch Wasser entsteht. Im Unterschied zur Atmung werden bei Gärungen die organischen Moleküle nicht vollständig zu CO
2 oxidiert und es entsteht auch kein Wasser. Die Endprodukte von Gärungen sind kleine organische Moleküle, in denen auch Elektronen und Wasserstoff gebunden sind, bei manchen Gärungen wird zusätzlich auch Wasserstoff und/oder CO
2 freigesetzt. Gärungen werden durch Menschen vielfach zur Konservierung und Verarbeitung von Lebensmitteln genutzt: Beispiele hierfür sind die Essigsäuregärung, die für die Gewinnung von Essig genutzt wird, oder die Milchsäuregärung, die für die Herstellung von Sauerkraut oder Joghurt genutzt wird.
Schematisch sieht die Abfolge der Prozesse, die
zur Bildung von Biogas ablaufen, folgend aus:

Bei
solchen Anwendungen von Gärungen wird meist von Fermentation gesprochen, was
nichts anderes ist als gezieltes Gären. Es gibt noch zahlreiche weitere Arten
von Gärungen, die überall dort stattfinden, wo anaerobe Bedingungen herrschen,
d.h. wenig oder kein Sauerstoff
vorhanden ist. Es gibt auch Mikroorganismen, die bestimmte Gärprodukte aufnehmen
und diese weiter vergären, um dabei Energie zu gewinnen. Diese haben als
Endprodukt Essigsäure. Die Methanogenese kann ebenfalls nur unter anaeroben
Bedingungen und dann stattfinden, wenn entweder Wasserstoff und CO
2 oder
Essigsäure vorhanden sind. Sowohl Gärungen als auch die Methanogenese sind in
der Natur eher langsame Prozesse, die teils in Zeiträumen von Wochen und
Monaten stattfinden und werden durch höhere Temperaturen deutlich beschleunigt.