Textseite: Innovationsökosystem für naturbasierte Lösungen
Beispiel: Innovationsökosystem für naturbasierte Lösungen
Naturbasierte Lösungen, die wir in Kapitel 4 im Kontext der sogenannten Schwammstadt kennengelernt haben, sind ein gutes Beispiel für die Rolle von Innovationsökosystemen in nachhaltigen Städten (Olbertz et al., 2025). Maßnahmen wie urbane Gärten, begrünte Dächer oder die Renaturierung von Brachflächen sind keine rein technischen Lösungen, sondern erfordern das koordinierte Zusammenwirken vieler Akteure.
Die folgende Abbildung zeigt schematisch, wie solche naturbasierten Lösungen in so genannten Reallaboren entwickelt werden können, in denen Akteure aus Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung der Maßnahmen. Die Abbildung verdeutlicht dieses Zusammenspiel der vier Stränge der vierfachen Helix über alle Phasen des Innovationsprozesses hinweg. Dabei können die Beiträge der einzelnen Akteure je nach konkreter Innovation unterschiedlich gewichtet sein.
Gleichzeitig macht die Abbildung ein zentrales Problem nachhaltiger Stadtinnovation sichtbar: Während Co-Design und Umsetzung häufig gut funktionieren, ist die Verstetigung naturbasierter Lösungen deutlich schwieriger. Betrieb, Pflege und langfristige Finanzierung sind oft nicht ausreichend institutionell abgesichert. Das Beispiel zeigt damit anschaulich, dass Innovationsökosysteme nicht nur für das Entstehen von Innovationen entscheidend sind, sondern vor allem dafür, ob nachhaltige Lösungen dauerhaft Teil der Stadtentwicklung werden oder nach Projektende wieder verschwinden.
Innovation Ecosystem Strategy Tool (Fraunhofer CeRRI)
Innovationsökosysteme entstehen nicht unbedingt von alleine, sondern es erfordert aktive Planung und Gestaltung, die verschiedenen Akteure zusammen zu bringen und bei einer produktiven Zusammenarbeit zu unterstützen. Dies kann auch eine wesentliche Aufgabe für städtisches Nachhaltigkeitsmanagement sein. Hierfür gibt es zahlreiche praktische Tools zur Unterstützung, z.B. das vom Frauenhofer Center for Responsible Research and Innovation entwickelte Strategietool (Schütz et al., 2020). Lade es Dir hier herunter:
Schlussbemerkung: Spannungsfelder
Innovationsökosysteme sind keine konfliktfreien Kooperationsräume. Die beteiligten Akteure folgen unterschiedlichen Logiken: Wissenschaft orientiert sich an Erkenntnisgewinn, Unternehmen an Wirtschaftlichkeit, Verwaltung an Rechtssicherheit und Legitimation, Zivilgesellschaft an normativen Zielvorstellungen. Gerade diese Spannungen sind jedoch produktiv, da nachhaltige Innovationen nur entstehen können, wenn ökologische, soziale und ökonomische Perspektiven miteinander ausgehandelt werden. Diesen Aushandlungsprozess zu organisieren ist eine Frage der Governance, die wir im zwölften und letzten Kapitel des Kurses vertiefen werden.
Zum Abschluss dieser Lektion findest Du hier noch ein kleines Glossar von Begriffen, die im Kontext von Reallaboren und städtischen Innovationsökosystemen häufig auftauchen und die Du kennen solltest.