Santiago de Chile

Der 2019 vorgestellte Plan für ein neues Google-Rechenzentrum im Stadtteil Cerrillos in Santiago de Chile entwickelte sich schnell zu einem der sichtbarsten Konflikte um Wasser in Chile. Angesichts einer seit über 15 Jahren anhaltenden Dürre und sinkender Grundwasserspiegel sorgte vor allem der im Umweltbericht ausgewiesene Verbrauch von 7,6 Millionen Litern Wasser pro Tag für Empörung. Diese Menge entsprach dem Jahresverbrauch der mehr als 80.000 Einwohner:innen von Cerrillos und sollte aus einem bereits übernutzten Aquifer stammen, der eigentlich für neue Entnahmen gesperrt war.

Aus der anfänglichen Sorge entstand eine gut organisierte Bürgerbewegung. Die Initiative MOSACAT analysierte die Umweltunterlagen, informierte die Nachbarschaft, organisierte Proteste und beauftragte eine Umweltanwältin. Ein nicht bindender Volksentscheid bestätigte die breite Ablehnung des Projekts. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Umweltbehörde SEA das Verfahren fehlerhaft geführt hatte, insbesondere blieb unklar, ob die von Google erworbenen Wasserrechte tatsächlich verfügbar waren.

Der anhaltende Druck zeigte Wirkung

2022 sagte Google zu, ein deutlich wasserärmeres Kühlsystem zu entwickeln. 2024 entschied zudem ein Umweltgericht, dass das gesamte Genehmigungsverfahren neu aufgerollt werden müsse und die Auswirkungen des Klimawandels einfließen müssen.

Bis heute ist das Rechenzentrum nicht gebaut – Cerrillos wurde damit zu einem Symbol für den erfolgreichen Widerstand gegen wasserintensive Digitalinfrastruktur.

Mexiko

Auch in Mexiko hat der Ausbau von Rechenzentren einen intensiven Konflikt um Wasser ausgelöst. In Querétaro verschärft Microsofts Ausbau der Anlagen Ascenty1 und Ascenty2 die schlimmste Dürre des Jahrhunderts: Rund 15 % der Bevölkerung haben keinen verlässlichen Zugang zu Trinkwasser, während die Rechenzentren große Mengen für ihre Kühlung benötigen. Das Wasser stammt aus dem bereits stark übernutzten Aquifer Valle de San Juan del Río, der ein Defizit von 56,8 Milliarden Litern aufweist.

Die Lage spitzte sich 2022 weiter zu, als der Bundesstaat das Wasser vollständig privatisierte. Dadurch erhielten Unternehmen direkten Zugang zu großen Wasserkontingenten. Microsoft registrierte 2023 zwei Konzessionen, die zusammen 600 Millionen Liter pro Jahr umfassen, ein Vielfaches dessen, was der lokalen Bevölkerung zur Verfügung steht . Gleichzeitig berichten Gemeinden wie die Maconí und Otomí, dass ihre Quellen für industrielle Nutzung umgeleitet werden, während ihnen selbst häufig nur aufbereitetes Abwasser bleibt; 76 % der regionalen Wasserquellen gelten als verunreinigt.

Der Widerstand wächst

Protestmärsche, lokale Bildungsinitiativen und die Organisation Voceras de la Madre Tierra fordern vor dem Obersten Gerichtshof, Wasser als fundamentales Recht zu verankern und die Rechenzentren strenger zu regulieren. Dennoch wirbt die Regierung weiter aktiv um neue Tech-Investitionen. Querétaro steht damit exemplarisch für die wachsenden Spannungen zwischen wasserintensiver Digitalinfrastruktur und den Rechten lokaler Gemeinschaften.

Zuletzt geändert: Montag, 17. November 2025, 12:41