Wie geht es weiter?

Die im 19. Jahrhundert einsetzende Massenurbanisierung hat die wirtschaftliche Ungleichheit zunächst massiv vergrößert, weil nun wenige Menschen schnell wohlhabender wurden als die meisten anderen (vgl. Pinker, 2018). Nach dem zweiten Weltkrieg kam es in den westlichen Industrieländern zu einem Rückgang der Ungleichheit, weil nun sozialstaatliche Programme und die massenhafte Ausweitung von Bildungschancen griffen. Der Zusammenhang, dass mit der Ausweitung von Wohlstand Ungleichheit zunächst steigt, dann allmählich wieder sinkt, ist nach dem Ökonomen Simon Kuznets als Kuznets-Kurve bekannt.

Viel spricht dafür, dass sich die Welt zurzeit in der Hochphase einer zweiten solchen Kuznets-Kurve befindet (Milanovic, 2016). Das wirtschaftliche Aufholen der asiatischen Länder, verbunden mit der Entstehung von Megametropolen wie dem Perflussdelta (vgl. Kapitel 1) hat innerhalb dieser Länder eine ähnliche Entwicklung in Gang gesetzt, wie in Europa und Amerika 100 Jahre zuvor mit einem Nebeneinander von unschätzbarem Reichtum weniger Unternehmer*innen und Immobilienbesitzer*innen in den Städten und fortdauernder (auch absoluter) Armut in ländlichen Regionen.

Auch in vielen westlichen Ländern hat diese neuere Entwicklung für mehr Ungleichheit gesorgt, weil die damit verbundene Globalisierung von Handel und Finanzströmen gut bezahlte Industriearbeitsplätze für niedrig qualifizierte Arbeitnehmer*innen vernichtet hat und weil die zunehmende Digitalisierung den Erfolg einzelner erfolgreicher Unternehmen begünstigt. Die wirtschaftlich stärkere Dynamik in Asien und Afrika spricht dafür, dass die Welt weiter Fortschritte bei der Bekämpfung absoluter Armut machen wird; auch extreme Ungleichheit wird uns aber wohl noch lange weiter begleiten.


Last modified: Wednesday, 18 March 2026, 7:50 AM