Politische und gesellschaftliche Handlungsoptionen
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2. Gemeinwohlorientierung, Suffizienz, Rechenzentrenpolitik, öffentliche Infrastruktur
2.1. Auf KI übertragen
Auf KI übertragen heißt das: Ein System ist nicht deshalb gut, weil es maximal leistungsfähig, möglichst autonom oder möglichst groß ist. Es ist dann gut, wenn es menschliche Fähigkeiten erweitert, demokratische Kontrolle zulässt, lokale Kontexte respektiert, Ressourcen schont und sich auch abschalten, reparieren oder verändern lässt. Ein konviviales KI-System könnte etwa eine kommunale Übersetzungshilfe sein, die lokale Sprachen unterstützt und öffentlich betrieben wird; ein medizinisches Assistenzsystem, das Ärzt:innen und Patient:innen nachvollziehbare Zweitmeinungen liefert; oder ein Werkzeug für Energiegenossenschaften, das Lastmanagement unterstützt, ohne Haushalte in ein undurchsichtiges Scoring-System zu verwandeln.
Nicht konvivial wäre dagegen ein KI-System, das Menschen in Abhängigkeit von proprietären Clouds bringt, Entscheidungswege verschleiert, lokale Expertise entwertet und den Energie- und Rohstoffverbrauch massiv erhöht.
Degrowth-orientierte Technik geht noch einen Schritt weiter. Sie fragt nicht nur: Wie bauen wir Technik gerechter? Sondern auch: Welche Technik sollten wir nicht bauen, nicht skalieren oder wieder zurückbauen? Degrowth bedeutet in diesem Kontext nicht Technikfeindlichkeit, sondern eine Kritik an der Idee, dass jede Effizienzsteigerung, jede Automatisierung und jede neue digitale Anwendung automatisch gesellschaftlichen Fortschritt darstellt (Schmelzer, Vetter & Vansintjan, 2022).
Gerade bei KI ist diese Frage dringend. Wenn jedes Unternehmen, jede Verwaltung, jede Schule und jede Suchanfrage mit generativer KI aufgerüstet wird, entsteht ein enormer zusätzlicher Bedarf an Rechenzentren, Chips, Energie, Wasser und Datenarbeit.
Eine konstruktive Degrowth-Perspektive würde deshalb Prioritäten setzen:
KI dort, wo sie nachweislich gesellschaftlichen Nutzen bringt; keine KI dort, wo sie lediglich Überwachung, Konsumanreize, Arbeitsplatzverdichtung, Greenwashing oder militärische Effizienzsteigerung befördert. Das Kriterium wäre nicht Innovation um der Innovation willen, sondern Suffizienz: Wie viel digitale Automatisierung ist genug? Wo sind analoge, soziale oder institutionelle Lösungen besser? Und wer entscheidet darüber?