Lerninhalt zur Intelligenzforschung und Smart Cities
4. Kollektive Intelligenz: Informationsflüsse in sozialen Netzwerken
Auch für soziale Systeme scheint zu gelten, dass sie besser Probleme lösen und lernen können, wenn sie mehr Information verarbeiten können.
Beispiel
In einem Forschungsprogramm zur „kollektiven Intelligenz“ wurden z.B. in Anlehnung an etablierte Intelligenztests Kleingruppen von Studierenden Probleme zu lösen gegeben (Wooley et al., 2015).
Dabei zeigt sich, dass solche Gruppen bessere Leistungen zeigen (also kollektiv intelligenter sind), deren Mitglieder mehr miteinander reden, emotional sensibler sind und untereinander ausgeglichenere Redebeiträge in der Diskussion leisten. Gruppen hingegen, in denen ein oder wenige Individuen die ganze Kommunikation dominierten, tauschten weniger Wissen aus und generierten daher weniger kreative Problemlösungsideen.
Ähnliche Muster finden sich bei Untersuchungen zu Innovationen in Unternehmen (Scholl, 2004): Machtausübung und hierarchische Kommunikationsweisen führen zu so genannten Informationspathologien. Das bedeutet, dass eigentlich vorhandenes Wissen häufiger nicht genutzt wird, was zu Fehlentscheidungen und zum Scheitern von Innovationen führt.
Gelten solche Zusammenhänge auch für ganze Städte?
Quelle: Eagle, Macy, & Claxton (2010), Abb. 1, S. 1030.
Eine Studie von Eagle et al. (2010) legt das zumindest nahe. Es wurden 65 Millionen Telefongespräche in Großbritannien analysiert und so die Netzwerkstruktur von Kommunikation in und zwischen ganzen Städten modelliert. Hier zeigte sich, ganz ähnlich wie in der Kleingruppenforschung zur kollektiven Intelligenz, dass solche Städte wirtschaftlich erfolgreicher waren und auch weniger Umweltprobleme aufwiesen, in denen mehr und zwischen mehr verschiedenen Menschen telefoniert wurde. Wenn wir also wieder die Metapher einer Stadt als „Superorganismus“ aufgreifen, sind offenbar solche Städte intelligenter (oder die „smarteren Cities“), deren soziale Netzwerke mehr Informationsverarbeitung erlauben.