2. Die Homunculus-Täuschung

Daniel Dennett (1991), ein bekannter Neurophilosoph, hat den Begriff des “Cartesianischen Theaters” geprägt, in Anlehnung an René Descartes, der glaubte, dass die Seele in der Zirbeldrüse dem Gehirn beim Denken zuschaut.

Da es vielen Menschen, auch ausgebildeten Neurowissenschaftler*innen schwer fällt, verteilte Informationsverarbeitung zu verstehen, stellen sie sich implizit eine Art Schaltzentrale im Gehirn vor, wo alle Informationen zusammen laufen. Diese Vorstellung ist aber falsch, wie Dennett darlegt. Vielleicht ist in ähnlicher Weise auch die Idee eines zentralen “Smart City Control Rooms”, wo alle Informationen aus der Stadt zusammenlaufen und dem Stadtrat weise Entscheidungen ermöglichen, nur Cartesianisches Theater?

Illustrative Darstellung eines Cartesischen Theaters im menschlichen Kopf.
Illustrative Darstellung eines Cartesischen Theaters im menschlichen Kopf.
Quelle: Jennifer Garcia CC-BY-SA 2.5: .

Vertiefung

Interessanterweise ähnelt die abstrakte mathematische Struktur des neuronalen Netzwerks im menschlichen Gehirn jener von komplexeren sozialen Netzwerken, mit denen man urbanisierte Gesellschaften beschreiben kann (siehe Lektion 1.2).

Auch Gehirne haben eine Kleine-Welt-Struktur (Sporns et al. 2004), das heißt dass zwei beliebige Nervenzellen über durchschnittlich nur wenige Schritte miteinander verbunden sind. So ist es in sozialen Netzwerken auch.

Man kennt das Phänomen aus der Alltagserfahrung: man lernt jemanden kennen, stellt irgendwann überrascht fest, dass man gemeinsame Bekannte hat, und denkt sich: Die Welt ist aber klein!