1. Individuelle Intelligenz: Netzwerke von Nervenzellen

Intelligenz von individuellen Menschen ist eine emergente Eigenschaft, die aus der Informationsverarbeitung im Gehirn hervorgeht. Nervenzellen tauschen über elektrochemische Synapsen Impulse aus (Abbildung unten links). Emergenz bedeutet, dass eine Eigenschaft eines Systems aus den Interaktionen der einzelnen Elemente hervorgeht, aber bei den einzelnen Elementen nicht existiert. Eine einzelne Nervenzelle ist nicht intelligent, sie kann keine Probleme lösen.

Vertiefung

Die Intelligenzleistungen des Gehirns insgesamt beruhen auf verteilten Aktivationsmustern im gesamten neuronalen Netzwerk (schematisch in der Abbildung unten rechts). Die Komplexität ist dabei enorm, weil 80-100 Milliarden Neuronen mit jeweils bis zu 1000 anderen Neuronen verknüpft sind!

Die Aktivationsmuster der Neuronen erzeugen eine abstrakte Datenrepräsentation der äußeren Umwelt, auf abstrakter Ebene ganz ähnlich wie die digitalen Zwillinge der Smart City, die wir in der vorherigen Lektion kennengelernt haben. Sensoren, aus denen sich die Repräsentation speist, haben auch Gehirne, nämlich unsere Sinnesorgane.

Grafik links: eine Nervenzelle mit Synapsen und rechts ein schematisches neuronales Netzwerk aus vielen verbundenen Knoten.
Grafik links: eine Nervenzelle mit Synapsen und rechts ein schematisches neuronales Netzwerk aus vielen verbundenen Knoten. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wikimedia Commons, Autoren: LadyofHats (Englisches Original), NEUROtiker (Deutsche Übersetzung).
 

Wir wissen aus den Neurowissenschaften, dass die Gehirne intelligenterer Menschen besser, schneller und mehr Information verarbeiten können. Das liegt vermutlich daran, dass ihre Neuronen stärker miteinander verknüpft sind, so dass die Information im Netzwerk besser fließen kann (vgl. Deary et al., 2010).

Es gibt allerdings im Gehirn keine zentrale Stelle, wo alle Information zusammenliefen und Entscheidungen getroffen würden, so wie bei einem Smart-City-Dashboard. Im Gegenteil, an allen Intelligenzleistungen sind viele verschiedene Areale des Gehirns gleichermaßen beteiligt (Deary et al., 2010). Probleme lösen, Entscheidungen treffen, Lernen und Handeln sind alles komplexe Aktivationsmuster. Es gibt im Gehirn keine*n Bürgermeister*in, der*die alles steuert!