Kreislaufwirtschaft

Website: OnCourse Universität Bremen
Kurs: Nachhaltige Städte
Buch: Kreislaufwirtschaft
Gedruckt von: Gast
Datum: Sonntag, 24. Mai 2026, 13:57

1. Kreislaufwirtschaft

In Ökosystemen, die sich im Gleichgewicht befinden, sind die Abfälle der einen Organismen die Nahrung der anderen. Stoffkreisläufe sind vollständig geschlossen. Eine zentrale Herausforderung nachhaltiger Städte besteht darin, ihre Materialverwendung ebenfalls mehr und mehr kreislaufförmig zu organisieren und in Einklang mit dem natürlichen Stoffwechsel biologischer Ökosysteme zu bringen. Die Entwicklung einer solchen „Kreislaufwirtschaft“, bei der man sich der Abfälle nicht mehr entledigt, sondern sie wieder als Quelle von Rohstoffen versteht und benutzt, ist ein Kernelement der so genannten Konsistenzstrategien der Nachhaltigkeit (vgl. Lektion 5.1).

Nachfolgend kannst Du Dich über die so genannten R-Strategien informieren, bei denen es sich um verschiedene Ansätze für die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft handelt (Potting et al., 2017):

Beobachtung

Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass die R-Strategien nicht gleichwertig sind, sondern hinsichtlich ihrer Ressourcenwirkung in einer Hierarchie stehen. Am besten ist „Refuse“, weil überhaupt kein (oder jedenfalls drastisch weniger) neues Material benötigt wird, „Recycle“ und „Recover“ am anderen Ende sind zwar natürlich besser als wegschmeißen, erfordern aber selbst einen hohen Energie- und Materialeinsatz. Die verschiedenen Umnutzungs- und Effizienstrategien stehen in der Mitte.

LCA

Die Lebenszyklusanalyse (life cycle analysis - LCA) ist eine recht etablierte Methode, um die Umweltauswirkungen von Produkten über ihre gesamte Lebensdauer zu bewerten. Das ist deswegen bedeutsam, weil oft nicht klar ist, in welcher Phase am meisten Ressourcenverbrauch entsteht. Sollte man zum Beispiel seinen funktionsfähigen Verbrenner für ein Elektroauto entsorgen? Dafür muss man wissen, ob z.B. die Emissionen bei der Produktion oder im Verbrauch schwerer wiegen (bei Autos meistens letzteres). Solche Analysen sind auch für die Errichtung neuer Gebäude üblich und werden derzeit in vielen Forschungsprojekten für Bestandsbauten und ganze Quartiere entwickelt.

2. Anwendungsbeispiel: Refurbishing von DDR-Wohngebäuden

Schau Dir als Beispiel für eine Kreislaufwirtschaftsstrategie im Städtebau das beigefügte Poster aus einem aktuellen Forschungsprojekt (Stand: 2025) in Brandenburg an, bei dem es um die Ertüchtigung und Aufwertung von Wohngebäuden aus dem Bestand der ehemaligen DDR geht.

Diese Gebäude, welche oft nicht heutigen Baustandards und Ansprüchen an Ästhetik und Komfort entsprechen, wurden vielerorts einfach abgerissen, insbesondere an Orten mit schrumpfender Bevölkerung (vgl. Kapitel 6). Aus der Sichtweise einer ressourcen-schonenden Kreislaufwirtschaft ist Abriss und Neubau aber eine denkbar schlechte Strategie, deswegen empfehlen sich eher Versuche einer Aufwertung wie in dem Forschungsprojekt.

Download: Wohnbauserie (WBS) 70

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Cover von "Wohnbauserie (WBS) 70"
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