Kurs: Nachhaltige Städte | OnCourse UB

  • Lektion 3

    • Gesundheit und urbane Nachhaltigkeit

       
    • Gesund leben auf einer gesunden Erde

    • Es gibt tatsächlich einige tief gehende konzeptionelle Parallelen zwischen Gesundheit und nachhaltiger Entwicklung. Der „erweiterte Gesundheitsbegriff“ der World Health Organization (WHO) erschöpft sich nicht in der Abwesenheit von Krankheit, sondern zielt auf einen Zustand des vollständigen körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefindens ab. Der gesunde Mensch befindet sich im Einklang mit sich und seiner Umwelt.

      Vertiefung

      Diese Perspektive wird in der Medizin auch als Salutogenese bezeichnet, weil sie nicht die isolierte Betrachtung einzelner Krankheitsprozesse (=Pathogenese) in den Vordergrund stellt, sondern die Frage, was man tun kann, um den Menschen langfristig gesund zu halten.

      Dazu gehören der Schutz vor Krankheitserregern (Lektion 8.1) und vor Giftstoffen (Lektion 8.2), aber auch psychosoziales Kohärenzgefühl, das mit guten sozialen Bindungen zusammenhängt, dem Sinner-leben und dem Vertrauen in die eigene Handlungs- und Regenerationsfähigkeit (Antonovsky, 1987).

      Resilienz

      Der Begriff kommt aus der Stressforschung und bezeichnet die Fähigkeit des Organismus, nach Störungen und Belastungen wieder in seinen funktionalen Ausgangszustand zurückzufinden. Das Konzept wurde dann in die Ökologie übertragen im Sinne der Regenerationsfähigkeit von Ökosystemen. Auch eine Stadt, die z.B. mit einer Naturkatastrophe gut umgehen und ihre Folgen schnell bewältigen kann, ist resilient.

      Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen hat in seinem Hauptgutachten 2023 eine umfassende integrierte Betrachtung von globaler Nachhaltigkeit und Gesundheit vorgelegt. Der Text hat keinen besonderen Fokus auf Fragen der Stadtentwicklung, sondern geht breiteren Fragen nach, wie z.B. die ökologischen Auswirkungen menschlicher Aktivität die Entstehung von Pandemien begünstigen können. Dennoch finden sich dort viele Inhalte über die Zusammenhänge von Stadtleben und Gesundheit.

      Downloads

      Das WBGU-Gutachten kannst Du kostenlos hier beziehen. Eine kurze Zusammenfassung findest Du in einem Factsheet hier. Lade Dir das Factsheet herunter und lies es Dir aufmerksam durch. Es bietet eine gute Wiederholung vieler Konzepte, die wir im Kurs schon betrachtet haben, ergänzt sie aber um den Aspekt der Gesundheit.

    • Literatur

      Antonovsky, A. (1987). Unraveling the mystery of health. How people manage stress and stay well. Jossey-Bass.

      Barnett, D.W., Barnett, A., Nathan, A. et al. (2017). Built environmental correlates of older adults’ total physical activity and walking: a systematic review and metaanalysis. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 14, 103. https://doi.org/10.1186/s12966-017-0558-z

      European Environment Agency. (2020). Healthy environment, healthy lives: How the environment influences health and well-being in Europe (EEA Report No. 21/2019). Publications Office of the European Union. https://doi.org/10.2800/53670

      Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). (2023). Gesund leben auf einer gesunden Erde - Hauptgutachten 2023. WBGU.

      Henrich, J., Heine, S. J., & Norenzayan, A. (2010). The weirdest people in the world? Behav-ioral and Brain Sciences, 33(2-3), 61-83.

      Wang, C., Ding, H., & Gath-Morad, M. (2025). A systematic review: Affective perception on urban facades. arXiv preprint. https://doi.org/10.48550/arXiv.2509.22599

      WBGU (2023). Gesund leben auf einer gesunden Erde. Hauptgutachten 2023. Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung. Verfügbar unter https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/gesundleben