Krankheitslast und sozioökonomische Lage
Auch in wohlhabenden, urbanisierten Industriestaaten wie Deutschland spielt die sozioökonomische Lage bei der Ausbreitung von Infektionskrankheiten aber nach wie vor eine Rolle. Dies ist in der nachfolgenden Abbildung auf der linken Seite am Beispiel für die Inzidenz von Covid19-Infektionen in der Anfangszeit der Pandemie in Berlin dargestellt. Auf der rechten Seite siehst Du, dass generell die Verteilung von Gesundheit in der Stadt stark variiert.
Die Daten beruhen auf einem Gesundheitsindex, der für die verschiedenen Planungsräume in Berlin die Häufigkeit verschiedener Erkrankungen, eine verfrühte Sterblichkeit und ähnliche Variablen zusammenfasst. Dabei lässt sich zeigen, dass zwischen gesundheitlicher Belastung und Armutssegregation (vgl. Lektion 7.4) ein Zusammenhang besteht. In Stadtvierteln, in denen relative Armut häufiger vorkommt, sind auch Krankheit und gesundheitliche Einschränkungen weiterverbreitet.
COVID-19-Inzidenzkurven 2020–2021 für Berliner Soziallagen sowie Karte des Berliner Gesundheits- und Sozialindex 2022.
Quelle: Gesundheits- und Sozialstrukturatlas Berlin (2022) links: S. 90; rechts: S. 31
Solche Zusammenhänge zwischen sozioökonomischer Lage und krankheitsbedingter Sterblichkeit lassen sich auch für ganz Deutschland nachweisen, sie sind aber über die Zeit geringer geworden (Redler et al., 2021). Das hat vermutlich etwas mit einer in dem Zeitraum verbesserten Umweltqualität zu tun, denn Luftschadstoffe, verunreinigtes Wasser und Lärm begünstigen auch die Entstehung nicht ansteckender Erkrankungen; ein Thema das wir in der nächsten Lektion vertiefen.