Die „Produktion“ von Künstlicher Intelligenz (KI) ist auf komplexe Lieferketten angewiesen, die mit erheblichen ökologischen Belastungen einhergehen. Besonders der Bergbau für Rohstoffe und seltene Mineralien ist ein zentraler Faktor des ökologischen Fußabdrucks. Für die Herstellung von Prozessoren und Grafikchips (CPU und GPU) werden große Mengen kritischer Mineralien wie Lithium, Kobalt, Graphit und Kupfer benötigt. Nach Prognosen der Vereinten Nationen (2024) wird die Produktion dieser Rohstoffe bis 2050 um bis zu 500 Prozent ansteigen, um die wachsende Nachfrage aus der KI-Industrie und den Technologien der Energiewende zu decken. Diese Rohstoffe sind essenziell sowohl für die digitale Infrastruktur als auch für erneuerbare Energiesysteme, wodurch ein Zielkonflikt zwischen Digitalisierung und Klimaschutz entsteht. Die Förderung erfolgt häufig in ökologisch sensiblen Gebieten und führt zu Entwaldung, Bodendegradation und Wasserverschmutzung (Jerez et al. 2021).
Mehr als 70 % des weltweiten Kobaltabbau kommen aus der Demokratischen Republik Kongo, während große Mengen Lithium in Australien und Chile gewonnen werden.
Kreisdiagramm zum Kobaltabbau 2021 mit 71% aus der DR Kongo und kleineren Anteilen aus Russland, Philippinen, Australien u.a. Quelle: In Anlehnung an USGS, ISS ESG
Diese geografische Konzentration der Förderung schafft Verwundbarkeiten für Ökosysteme und lokale Gemeinschaften, die meist kaum vom wirtschaftlichen Nutzen der KI profitieren (Lubaba Nkulu et al. 2019). Greenpeace (2025) bezeichnet dieses Muster als „digitalen Kolonialismus“, da insbesondere Regionen des Globalen Südens, in denen Kobalt, Lithium und Nickel abgebaut werden, unter Entwaldung, Wasserknappheit und toxischer Belastung leiden.
Beispiel: Kupferabbau in Ostserbien
Adamovic et al. (2021) zeigen, dass saure Grubenabwässer aus dem Bor-Kupferbezirk stark säurehaltige Abflüsse mit Eisen-, Kupfer- und Arsenbelastung erzeugen, die Flüsse über 100 km flussabwärts kontaminieren. Ähnliche Muster finden sich in der Entwicklung des Kupfer- und Nitratabbaus in der chilenischen Atacama-Wüste wo Abbaugebiete zu „Satelliten des globalen Kapitalismus“ wurden.
In Indonesien hat sich die Entwaldung in Nickelregionen zwischen 2011 und 2018 nahezu verdoppelt (Lo, 2024), und in China wird sich der Landverbrauch für Kupferproduktion bis 2050 mehr als verdoppeln (Dong, 2020). Diese Entwicklungen zeigen, dass die Umweltfolgen der Ressourcengewinnung für KI bereits messbare Realität sind.