Nachhaltige Städte
Kurs: Nachhaltige Städte | OnCourse UB
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Fallstudie Nairobi/Kenia
Hinweis
Nairobi, die Hauptstadt und das wirtschaftlich wichtigste Zentrum von Kenia erlebt eine schnelle Urbanisierung, ausgehend von einem vergleichsweise für die Region Subsahara-Afrika noch insgesamt noch einen relativ niedrigen Urbanisierungsgrad in Kenia (28% der Bevölkerung im Jahr 2021). Geschätzt 60% der Bevölkerung Nairobis lebt in ungeplanten informellen Siedlungen auf etwa lediglich 5% der gesamten Wohnfläche der Stadt.
Kibera hat den Ruf des größten städtischen Slums auf dem afrikanischen Kontinent, wobei das fraglich ist, weil verschiedene Schätzungen der Einwohnerzahlen erheblich auseinanderklaffen von wenigen Hunderttausend bis weit über eine Million. Gleichwohl sind die Lebensbedingungen in Kibera und anderen informellen Siedlungen schlecht. Sie sind geprägt von Armut, Überfüllung und unzureichender Infrastruktur. Die meisten Haushalte haben keinen Zugang zu Leistungswasser; Müll und die Praxis der „fliegenden Toiletten“ (Defäkation in Plastiktüten) setzen die Bewohner erheblichen Gesundheits- und Umweltrisiken aus.
Dennoch bleibt die Binnenmigration (vgl. Lektion 7.2) ungebrochen, weil selbst die aus europäischer Sicht erbärmlichen Lebensbedingungen in den Slums besser sind und mit mehr Hoffnungen auf wirtschaftliche Chancen und sozialen Aufstieg verbunden als das Leben in ländlichen Gebieten Kenias. Informelle Siedlungen bieten dabei oft die einzige erschwingliche Wohnoption und Arbeitsplätze, auch wenn diese stark auf den informellen Sektor konzentriert sind mit geringer Produktivität und Löhnen. Mehr Details zu diesen Entwicklungen kannst Du dem folgenden „Policy Brief“ (kurzes Dokument, das wissenschaftliche Erkenntnisse für die Unterstützung politischer Entscheidungen zusammenfasst) entnehmen.
Hör Dir außerdem den folgenden Podcast an. Er wurde automatisch mit KI generiert (Google Notebook LM) und fasst eine Reihe von wissenschaftlichen und politischen Dokumenten zur Situation in Nairobi zusammen (siehe Quellen am Ende der Lektion).
Podcast
Das nachfolgende Video kannst Du Dir auch anschauen. Es erklärt das Konzept der „Just City“ (gerechte Stadt), das unter anderem am Beispiel von Kibera/Nairobi in verschiedenen Projekten der Friedrich-Ebert-Stiftung und anderen Akteuren entwickelt wurde. Das Video gibt Dir visuelle Eindrücke von Kibera und vertieft viele der in diesem Kapitel behandelten Themen zu den Problemen von Armut, mangelnder Infrastruktur und urbaner Ungleichheit.
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Literatur
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Kibirige, F., Kewaza, J. M., Male, F., Tibaingana, P., & Ssevume, S. (2022). The urban dream and the realities of rural to urban migration in East Africa. Kampala, Uganda: Friedrich-Ebert-Stiftung. Abgerufen von https://kenya.fes.de/programmes/just-city.html
Lukalo-Owino, R., Omenya, A., & Akoth, S. O. (2024). Pathways to just, resilient and livable African cities. Friedrich-Ebert-Stiftung, United Nations Human Settlements Programme (UN-Habitat). Abgerufen von https://kenya.fes.de/programmes/just-city.html
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Okonjo, J., Sego J. J. & Chege, O. (2024). Urban infrastructure financialisation in African cities (Working Paper). Friedrich-Ebert-Stiftung Tanzania Office. Abgerufen von https://kenya.fes.de/programmes/just-city.html
Wasonga, G. et al. (2022). Just City in Africa: The Transformative Value of Urbanisation. Friedrich-Ebert-Stiftung. Abgerufen von https://kenya.fes.de/programmes/just-city.html
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Wikipedia. (o. J.). Nairobi. Abgerufen von https://en.wikipedia.org/wiki/Nairobi
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