Kurs: Nachhaltige Städte | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Fallstudie Zürich

      Abbildung: Beispielgrafik, Bild: Jakob Schröder 2025
      Beispielhaftes Foto von Zürich (Bild: Jakob Schröder 2025)

      Zürich ist eine der wirtschaftlich stärksten Städte Europas mit einem (für europäische Verhältnisse) starken Bevölkerungswachstum. Gleichwohl hat sich die Stadt für die Eindämmung des Flächenverbrauchs durch konsequente Siedlungsentwicklung nach innen entschieden. Sie folgt damit dem Leitbild der kompakten Stadt (siehe Lektion 6.1) und setzt das 2013 durch Volksabstimmung im Schweizerischen Raumplanungsgesetz verankerte Innenentwicklungsziel um, außerdem die im so genannten Richtplan des Kantons Zürich festgelegten Leitlinien, welche die Stadtentwicklung auf Innenentwicklung, Priorität des ÖPNV, den Erhalt zusammenhängender Naturräume sowie allgemein Ziele der Nachhaltigkeit ausrichten.

      Gleichzeitig ist Zürich bezogen auf die Wohnkosten eine der teuersten Städte in Europa, so dass auch die in diesem Kapitel dargelegten Zielkonflikte zwischen Begrenzung des Flächenverbrauchs und bezahlbarem Wohnraum auch für Haushalte mit geringeren Einkommen am Beispiel der Stadt besonders deutlich werden.

      Vertiefung

      Sozialpolitisch verfolgt Zürich daher das 1/3-Ziel: Der Anteil gemeinnütziger Mietwohnungen soll bis 2050 auf 33 % steigen (Stand 2023: 27%). Das Ziel wird durch ein systematisches sozialräumliches Monitoring der Planungs- und Bautätigkeit begleitet.

      Die Schweiz weist in der Stadt- und Raumplanung einige Besonderheiten auf, welche die hier in Lektion 6.2 dargestellten Hindernisse bei der Umsetzung nachhaltiger Flächennutzung im Vergleich zu Deutschland noch stärker wirken lassen (Debrunner & Hengstermann, 2023):

      • Starker Föderalismus: es gibt im Grunde keine Schweizer Raumplanung, sondern 26 verschiedene kantonale Regelungen, die noch nicht einmal über einheitliche Begrifflichkeiten verfügen. Das macht die Durchsetzung nationaler Ziele schwierig.
      • Subsidiarität: Die Gemeinden in der Schweiz haben eine außergewöhnlich hohe Handlungsautonomie und Entscheidungskompetenz in der Bauplanung.
      • Direkte Demokratie: Stadt- und raumplanerische Entscheidungen werden direkt durch die Stimmberechtigten getroffen, das Ausmaß an direkter Partizipation an der Stadtentwicklung ist also viel höher als in Deutschland üblich und eine hohe Qualität der Argumentation ist nötig, um Nachhaltigkeitsziele in der Stadtentwicklung überzeugend zu vertreten.

      Hier kannst Du Dich über den Flächenverbrauch in der Schweiz informieren: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/raum-umwelt/bodennutzung-bedeckung/siedlungsflaechen.html

    • Zürichs Strategie „Stadtraum und Mobilität 2040“ bündelt Vision, Leitsätze und Zielbilder für eine lebenswerte und klimaneutrale Stadtentwicklung bei gleichzeitigem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Die Strategie bietet einen stadtweiten Rahmen für integrierte Planung, der für alle Departemente der Stadtverwaltung verbindlich ist und ein systematisches Monitoring vorsieht.

    • Aufgabe

      Schau Dir die Kurzfassung des Dokuments an und achte darauf, wie die in diesem Kapitel behandelten Leitbilder für urbane Nachhaltigkeit konkret auf Zürich angewandt werden.

    • Literatur

      Debrunner, G. & Hengstermann, A.H. (2023). Vier Thesen zur effektiven Umsetzung der Innenentwicklung in der Schweiz. disP The Planning Review, 59, 86-97. https://doi.org/10.1080/02513625.2023.2229632