Kurs: Nachhaltige Städte | OnCourse UB

  • Lektion 5

    • Fallstudie Schnellbus- und Seilbahnsysteme in Kolumbien

      Zahlreiche Städte in Lateinamerika haben seit Beginn des 21. Jahrhunderts begonnen, Schnellbus-Systeme mit eigenen Busspuren aufzubauen als wichtiges Element ihrer Strategie für nachhaltige urbane Mobilität (vgl. Vergel-Tovar, 2022). In vielen dieser Städte mit niedrigen bis mittleren Einkommensniveaus ist der individuelle Autobesitz noch nicht so verbreitet wie in Nordamerika oder Westeuropa, so dass man hofft, die Pfadabhängigkeiten einer auf den individuellen Autoverkehr zentrierten Stadtentwicklung zu vermeiden. Andererseits sind die Investitionskosten für Bussysteme niedriger als für den Aufbau von U-Bahn-Netzen und anderen Schienensystemen, und Busse lassen sich leichter in die schon bestehende Straßeninfrastruktur integrieren.

      Bekanntes Beispiel: Transmilenio in Bogotá

      Seit Ende der 1990er Jahre wird der Transmilenio als Antwort auf die Verkehrsprobleme in der kolumbianischen Hauptstadt entwickelt und in mehreren Phasen ausgebaut wurde. Derzeit arbeitet Bogotá an der Elektrifizierung der Busflotte, um eine Dekarbonisierung und Reduzierung der lokalen Luftverschmutzung zu erreichen.

      Mehrere rote Gelenkbusse des BRT-Systems TransMilenio fahren auf einer Hauptstraße in Bogotà zwischen Autos und Gebäuden.
      Mehrere rote Gelenkbusse des BRT-Systems TransMilenio fahren auf einer Hauptstraße in Bogotá zwischen Autos und Gebäuden.
      Bildnachweis: Mario Roberto Durán Ortiz
      https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ave._Caracas_TransMilenio_BOG_03_2018_8592.jpg

      Link zum TransMilenio: https://www.transmilenio.gov.co/

      Medellín, die zweitgrößte Stadt Kolumbiens hat ein integriertes öffentliches Nahverkehrssystem aufgebaut, das neben Schnellbussen, Straßenbahnen und einer Schnellbahn auch ein Netzwerk von Seilbahnen (Metrocable) integriert. Die Seilbahnen wurden insbesondere mit dem Ziel entwickelt, informelle und schlecht erschlossene Siedlungen der Stadt (so genannte Slums) an das Nahverkehrssystem anzubinden, und erfüllen insofern explizit auch soziale Nachhaltigkeitsziele. Medellín liegt in einem Tal in den Anden. Da sich solche Slums vor allem an den Steilhängen am Stadtrand durch informelle Zuwanderung gebildet hatten und stark gewachsen sind (vgl. Kapitel 7), gestaltete sich der Zugang zur regulären Wirtschaft und zum Arbeitsmarkt der Stadt äußerst schwierig.

      Metrocable in Medellín

      Bildnachweis: Tobias Schröder 2026

      Durch das Metrocable-System konnten Pendelzeiten von mehreren Stunden auf 30-45 Minuten reduziert werden. Diese Maßnahme gilt als ein wesentlicher Baustein bei der Transformation der Stadt von einer der gewalttätigsten der Welt, weil dadurch viele Slum-Bewohner:innen Zugang zu regulären Arbeitsplätzen erhielten und damit wirtschaftliche Alternativen dazu, sich Drogenkartellen anzuschließen. Du kannst daran sehen, dass es bei Nachhaltiger Mobilität nicht nur um Dekarbonisierung und Reduzierung von Luftverschmutzung geht, sondern auch um die soziale und wirtschaftliche Entwicklung von Städten.

      Weitere Informationen findest Du hier: https://use.metropolis.org/case-studies/medellin-s-metrocable.

       
    • Literatur

      Vergel-Tovar, C. E. (2022). Sustainable transit and land use in Latin America and the Caribbean: A review of recent developments and research findings. In J.X. Cao et al. (Eds.), Ad-vances in Transport Policy and Planning (S. 29-73).