Autos bleiben trotz mehr Bus, Bahn und Fahrrad aber wichtig für urbane Mobilität - nur eben langfristig strombetrieben. Die Umstellung läuft, wenn auch mit stark unterschiedlicher Geschwindigkeit in verschiedenen Ländern (Ritchie, 2024): In Norwegen waren 2024 fast neun von zehn neuen Autos voll elektrisch. In China hatte fast jedes zweite Neufahrzeug einen elektrischen Antrieb (batterieelektrisch oder als Plug-in-Hybrid). In der EU war es etwa jedes fünfte, in den USA deutlich weniger. In der Grafik unten kannst du dir die Daten für einzelne Länder anschauen.
E-Autos haben klare Vorteile bezüglich ihrer Emissionen; bezogen auf CO2 und den Klimawandel gilt das aber nur, insofern die Stromerzeugung CO2-arm oder bestenfalls CO2-neutral erfolgt. Die Umstellung auf Elektromobilität muss man daher im Zusammenhang mit der Dekarbonisierung der Stromerzeugung verstehen (vgl. Kapitel 4). E-Auto-Batterien können sogar die Stromnetze stabilisieren: Sie laden dann, wenn viel Wind- oder Sonnenstrom da ist, und können theoretisch sogar Strom zurück ins Netz geben, wenn Flaute ist.
Vertiefung
Der Ausbau der Elektromobilität erfordert auch Anpassungen der städtischen Infrastruktur wie genug öffentliche Ladepunkte, einheitliche Steckernormen und smarte Preismodelle.
Innovationslandkarte nachhaltige urbane Mobilität
Hier kannst Du Dich über wichtige Begriffe zu innovativer Mobilität informieren. Neben emissionsfreien Antrieben durch Elektrifizierung erlauben digitale Smart-City-Technologien (vgl. Kapitel 3) zahlreiche neue Möglichkeiten für die Gestaltung städtischer Mobilität.
Carsharing: nachhaltige Mobilität oder Rebound-Effekt?
Free-Floating-Carsharing (ohne feste Stationen) kann Wege ohne eigenes Auto ermöglichen - birgt aber Rebound-Risiken: Der bequemere Zugang zum Auto senkt die „Nutzungsschwelle“ und erzeugt zusätzliche Fahrten, die zuvor zu Fuß, per Rad oder mit ÖPNV erfolgt wären.
In innenstadtnahen Gebieten wird nicht immer privater Autobesitz ersetzt; häufig kommt es zu Verlagerungen vom ÖPNV auf geteilte Autos, teils auch zu längeren Freizeit- und Abendfahrten. Nachhaltigkeit hängt daher stark von Rahmenbedingungen ab (z.B. elektrifizierter Fahrzeugpool, Preisgestaltung, Servicegebiet, Verknüpfung mit ÖPNV-Apps/Tickets und Stationen/Hubs statt überall-Abstellung) - damit Carsharing tatsächlich Autobesitz ersetzt statt ÖPNV zu verdrängen.
Technologieszenarien für Güter-, Flug- und Schiffsverkehr
Hinweis
Eine diversere Verkehrsplanung jenseits der Autozentrierung, elektrische Antriebe, digitale Services - die Technologien und Ideen existieren, um die Mobilität von Personen innerhalb der Städte nachhaltiger zu machen. Wir wissen, wie es geht, und stehen „nur“ vor dem Problem der Umsetzung, was allerdings groß genug ist (siehe die nächste Lektion und Kapitel 12).
Eine ungleich größere Herausforderung ist derzeit aber noch eine nachhaltigere Gestaltung von Güter-, Flug- und Schiffsverkehr. Man muss schlicht sagen, die Technologien existieren noch nicht oder sind zumindest auf lange Sicht wirtschaftlich nicht darstellbar, um in großer Skalierung Schiffe, Flugzeuge und LKW zu dekarbonisieren. Ein Beispiel für den straßengebundenen Güterverkehr zeigt die folgende Grafik aus dem Sustainable Devlopment Szenario der International Energy Agency, das eine wohlgemerkt optimistische Variante ist (IEA, 2020).
Hier ist zu sehen, dass erst ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts (also deutlich nach den deutschen und europäischen Dekarbonisierungszielen) nachhaltigere Alternativen zu Dieselmotoren erwartet werden. Derzeit ist aufgrund der im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen sehr geringen Energiedichte von Batterien die Elektrifizierung des Güterverkehrs noch kein gangbarer Weg, und es bedarf noch erheblichen Anstrengungen und Investitionen in Forschung und Entwicklung, um solche Wege zu finden. Vergleichbares gilt für Luft- und Schiffsverkehr, welche von erheblicher Relevanz für die Vernetzung zwischen den Städten auf der Welt sind.
Endenergiebedarf des Güterverkehrs sinkt bis 2070 leicht; alternative Kraftstoffe gewinnen langsam Anteile gegenüber Diesel. Quelle: IEA 2020
CO₂-Emissionen verschiedener Verkehrsarten von 2000–2070, insgesamt stark fallender Trend. Quelle: IEA 2020
WBGU (2016). Der Umzug der Menschheit. Die transformative Kraft der Städte. Hauptgutachten 2016. Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung. Verfügbar unter wbgu.de