Gebäudewärme
Die Energiewende im Bereich der Wärmeversorgung stellt derzeit eine weit größere Herausforderung dar als bei der Stromerzeugung. Wie wir in der vorherigen Lektion gesehen hatten, sind die Fortschritte bei der Dekarbonisierung im Gebäudesektor, der in Deutschland für etwa 15% der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, nur sehr gering. Global erfordert auch die Kühlung von Gebäuden durch Klimaanlagen einen signifikanten Energieeinsatz, der sich vermutlich auch aufgrund zunehmender Hitze in den Städten aufgrund des schon vorangeschrittenen Klimawandels (s. nächste Lektion) in den nächsten Jahrzehnten vervielfachen wird (IEA, 2024). Das macht den Ausbau CO2-neutraler Stromversorgung umso dringender.
Anders als bei der Stromerzeugung sind CO2-neutrale Heizungstechnologien noch deutlich teurer als konventionelle Alternativen. Zudem sind viele Gebäude alt und in schlecht saniertem Zustand. Die Eigentumsstrukturen sind kleinteilig und komplex. Bei Mietverhältnissen sind die wirtschaftlichen Anreize schwierig, da Vermieter*innen die Kosten von energetischen Sanierungen tragen und sie nur in eng reguliertem Maß auf die Miete umlegen dürfen, können oder wollen, Mieter*innen aber von geringeren Energiekosten profitieren. Außerdem bestehen aufgrund in den letzten Jahren stark gestiegener Wohnkosten in den Städten erhebliche Zielkonflikte zu sozialen Nachhaltigkeitszielen (vgl. Kapitel 7).
Aktuelle Politische Maßnahmen zur Förderung der Wärmewende
Die Politik in Deutschland versucht mit einer Reihe von Maßnahmen, die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung voranzutreiben (Stand: 2025). Das Gebäudeenergiegesetz macht Vorgaben für die Effizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien für die Heizung und Kühlung bei Neubauten und beim Austausch von Heizungen in bestehenden Gebäuden. Es begründet auch die Möglichkeit, aus öffentlichen Mitteln eine finanzielle Förderung zum teilweisen Ausgleich der Mehrkosten solcher Technologien zu erhalten. Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet die Länder und indirekt die Städte, Maßnahmen für eine Dekarbonisierung der Wärmeversorgung einzuleiten; hier spielen insbesondere Fernwärmenetze auf Quartiers- oder Stadtebene eine Rolle.
Technisch gesehen ist die Dekarbonisierung des Wärmesektors in Deutschland gemäß den Vorgaben des Klimaschutzgesetzes erreichbar mit folgenden Schritten (Prytula, 2023):
- Elektrifizierung der Wärmeversorgung durch Wärmepumpen in Kombination mit regenerativer Erzeugung des benötigten Stroms.
- Erhöhung der energetischen Sanierungsrate im Gebäudebestand von ca. 1% pro Jahr (Mittel 2010 bis 2016) auf 2,5% pro Jahr.
- Ausbau der Fernwärmeversorgung mit langfristig nur erneuerbaren Energien mit Niedrigtemperaturkonzepten, Geothermie, Power to Heat und Biomasse.
Im Folgenden werden relevante Fachbegriffe für die Wärmewende erklärt.