Kurs: Nachhaltige Städte | OnCourse UB

  • Lektion 1

    • Städte und Klimawandel

    • Grafik zeigt die drei SDGs 7, 11, 13: saubere Energie, nachhaltige Städte und Klimaschutz als zentrale Nachhaltigkeitsziele

      Grafik zeigt die drei SDGs 7, 11, 13: saubere Energie, nachhaltige Städte und Klimaschutz als zentrale Nachhaltigkeitsziele
      Quelle: https://dgvn.de/ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung

    • Ganz kurz: was ist Klimawandel und warum gibt es ihn?

      Der Klimawandel bezeichnet die langfristige Veränderung des globalen Klimas, insbesondere die Erwärmung der Erdatmosphäre durch den menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen wie CO₂ und Methan. Diese Gase entstehen vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Gas, industrielle Prozesse wie die Zementherstellung, Landwirtschaft, Abholzung und Vertrocknung von Mooren. Sie verstärken den natürlichen Treibhauseffekt, wodurch sich die Erde schneller erwärmt als je zuvor. Die Grafik zeigt die Veränderung der globalen Durchschnittstemperaturen seit Beginn von Industrialisierung und Massenurbanisierung.

      Die Folgen sind extreme Wetterereignisse, steigender Meeresspiegel, schwindende Gletscher und gestörte Ökosysteme. Besonders betroffen sind Küstenstädte und Regionen mit Wasserknappheit. Ganze Regionen könnten unbewohnbar werden und so Migrations- und Fluchtbewegungen in bisher ungekanntem Ausmaß auslösen, mit gravierenden Folgen für politische und soziale Konflikte, die wir in Ansätzen heute schon beobachten.

      Der Klimawandel ist also ein globales Problem mit erheblichen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen – und stellt Städte vor zentrale Herausforderungen der Anpassung und Emissionsminderung. Die Herausforderung wird besonders deutlich, wenn man sich klarmacht, dass angesichts der allen Prognosen zufolge weiter voranschreitenden Urbanisierung im 21. Jahrhundert (vgl. Kapitel 1) der Energiebedarf der Menschheit massiv weiter steigen wird. Auch heute haben Hunderte Millionen von Menschen noch keinen Zugang zu einer verlässlichen Energieversorgung, welche in einer urbanisierten Welt die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben ohne Armut ist.

      Vertiefung zum Thema Klimawandel (optional)

      Wenn Du mehr über die naturwissenschaftlichen Hintergründe, politischen und sozialen Folgen des Klimawandels sowie Ansätze zu seiner Bewältigung wissen möchtest, hat die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit einen ganzen Kurs dazu. Außerdem ist das Datendossier zum Klimawandel von Our World in Data empfehlenswert.

      Kurs der VAN: Link

      Datendossier zum Klimawandel: Link

    • Die Rolle von Städten

      In der Literatur findet sich häufig die Aussage, dass Städte für etwa 70% der globalen Energienachfrage und der damit zusammenhängenden CO2-Emissionen verantwortlich sind (zusammenfassend: WBGU, 2016, S. 164). Verglichen mit dem Anteil der städtischen Bevölkerung tragen Städte also deutlich überproportional zum Klimawandel bei.

      Hinweis

      In Lektion 1.3 hatten wir schon gesehen, dass allgemein der Ressourcenverbrauch einer Gesellschaft mit ihrem Urbanisierungsgrad zusammenhängt.

      Andererseits wächst aber auch der Wohlstand überproportional mit der Verstädterung, so dass urbanes Leben durchaus relativ effizient ist, wenn man den erreichten Wohlstand relativ zum Energieverbrauch bzw. den CO2-Emissionen betrachtet.

      Leider hilft eine solche effizienzorientierte Betrachtungsweise aber nicht weiter, denn um den Klimawandel zu bremsen, müssen die Netto-CO2-Emissionen im Laufe des 21. Jahrhunderts weltweit auf Null zurückgefahren werden. Zugleich gehen alle Prognosen davon aus, dass der Energiebedarf der Welt bei voranschreitender Urbanisierung weiter steigen wird, selbst wenn es gelingt, viele städtische Funktionen effizienter zu organisieren.

      In vielen ärmeren Städten der Welt muss im Gegenteil erst eine verlässliche Energieinfrastruktur aufgebaut werden. Die Städte müssen dabei von fossilen Energieträgern unabhängig werden, indem dezentrale Heizungen, Verbrennungsmotoren etc. durch emissionsfreie Alternativen ersetzt bzw. von Anfang an so gebaut werden (WBGU, 2016, S. 164). Diese notwendige Transformation der städtischen Energieversorgung wird auch Dekarbonisierung genannt; in den nachfolgenden Lektionen und Kapiteln lernen wir viele Beispiele kennen.

    • Lokale vs. globale Umweltprobleme

      Hinweis

      Der Klimawandel ist ein weltweites Umweltproblem, von dem die ganze Menschheit betroffen ist. CO2- und Methanmoleküle kennen keine Grenzen, so dass alle derartigen Emissionen die Atmosphäre als ganzes betreffen. Das ist auch der Grund, warum das Problem so schwierig zu lösen ist, denn alle Staaten müssen zusammenarbeiten.

      Um einen differenzierten Blick auf urbane Nachhaltigkeit zu gewinnen, auch innerhalb der ökologischen Dimension, unterscheidet der WBGU (2016) in seinem normativen Kompass (siehe Lektion 2.2) zwischen globalen und lokalen Umweltproblemen. Zwischen diesen können durchaus Zielkonflikte bestehen, wie die folgende Grafik schematisch deutlich macht.

      Drei Kurven: CO₂-Emissionen steigen mit Wohlstand, mangelnde Sanitärversorgung sinkt, Luftverschmutzung verläuft u-förmig.
      Drei Kurven: CO₂-Emissionen steigen mit Wohlstand, mangelnde Sanitärversorgung sinkt, Luftverschmutzung verläuft u-förmig.
      Quelle: WBGU (2016), Abb. 2.3-2b, S. 70. (basierend auf Daten des UN Environmental Program aus 2011).

      Dort ist zu sehen, wie die CO2-Emissionen mit dem steigenden Wohlstand einer Stadt ansteigen (blaue Kurve). Bei der mangelnden Sanitärversorgung, eines der wichtigsten lokalen Umweltprobleme in ärmeren Städten mit informellen Siedlungen, verhält es sich aber genau umgekehrt (grüne Kurve). Die Luftverschmutzung hingegen (orangene Kurve) steigt zunächst mit moderatem Wohlstand stark an, weil es erste Industrieanlagen, billige Autos oder Mopeds und einfache Öfen und Heizungen gibt, die Feinstaub-, Stickoxid- und andere Emissionen verursachen. Erst in sehr wohlhabenden Städten nimmt die Luftverschmutzung dann wieder ab, weil zunehmend Ressourcen in Filteranlagen, Katalysatoren etc. investiert werden sowie in eine staatliche Verwaltung, die auch den Einsatz solcher Technologien durchsetzt. Dieser „umgekehrt-u-förmige“ Zusammenhang zwischen Wohlstand und Verschmutzung ist auch (nach dem Ökonomen Simon Kuznets) als Umwelt-Kuznets-Kurve bekannt.

      Wir werden auf die Probleme von Sanitärversorgung und Luftverschmutzung und deren gesundheitliche Folgen noch in Kapitel 8 zurückkommen. Hier ist wichtig zu verstehen, dass solche lokalen Umweltprobleme typischerweise von Städten mit steigendem Wohlstand selber gelöst werden können; für den Klimawandel gilt aber das Gegenteil, so dass hierfür radikalere Lösungen auf staatlicher und zwischenstaatlicher Ebene benötigt werden.

      Klimaneutrale Städte können nur erreicht werden, wenn es gelingt, die Energieerzeugung insgesamt vollständig zu dekarbonisieren.

       
    • Literatur

      WBGU (2016). Der Umzug der Menschheit. Die transformative Kraft der Städte. Hauptgutachten 2016. Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung. Verfügbar unter wbgu.de