Kurs: KI und Nachhaltigkeit | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Zielkonflikte: KI im Spannungsfeld ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit

    • Nachhaltigkeit in der KI-Entwicklung bedeutet die gleichzeitige Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Zielsetzungen, die in der Praxis oft miteinander in Konflikt stehen. Diese Zielkonflikte sind komplex, systemisch verschränkt und häufig ist ihre Auflösung nicht ohne weiteres möglich. Auch deshalb können Nachhaltigkeitskriterien nur ein erster Schritt sein auf dem Weg KI-Systeme nachhaltiger zu gestalten. Die konkrete Abwägung zwischen den Zielen, die jeweils erreicht werden soll muss dennoch getroffen werden.

      Zielkonflikte: Ökologie vs. Ökonomie

      Ein wesentlicher Zielkonflikt liegt zwischen der ökologischen Notwendigkeit zur Reduktion von Energie- und Ressourcenverbrauch und dem ökonomischen Anreiz zur Steigerung von Leistung und Skalierung von KI-Systemen:

      • Rebound-Effekte: Effizienzsteigerungen (z.B. sparsamer trainierte Modelle) führen oft nicht zu absolutem Rückgang des Verbrauchs, da gesparte Ressourcen in die Entwicklung größerer oder zusätzlicher Modelle fließen (→ Jevons-Paradoxon in KI). Dies zeigt sich an der zunehmenden Entwicklung von „Foundation Models“, die trotz effizienterer Hardware immer mehr Energie verbrauchen.
      • Investitionslogik in der Industrie: Unternehmen priorisieren leistungsfähigere Modelle zur Marktbeherrschung und setzen daher häufig auf energieintensive Architekturen, obwohl ökologisch nachhaltigere Alternativen existieren.
      • Latenz vs. Effizienz: Viele KI-Anwendungen wie Echtzeit-Sprachverarbeitung benötigen niedrige Latenz, was energieeffiziente Batch-Verarbeitung einschränkt.
      • Wasserverbrauch vs. Betriebskosten: KI-Rechenzentren nutzen oft billige Kühlung durch hohe Wasserentnahme in wasserarmen Regionen, um Betriebskosten niedrig zu halten, wodurch ökologische Schäden externalisiert werden.