Kurs: KI und Nachhaltigkeit | OnCourse UB

  • Lektion 1

    • Rolle der Technik in der Gesellschaft

    • Zitat

      Die Beziehung zwischen Technik und Gesellschaft ist komplex und vielschichtig, denn Technik kann nicht nur als Werkzeug betrachtet werden sondern auch als ein bedeutender Akteur in sozialen, kulturellen und politischen Prozessen.

      (Bijker, Hughes & Pinch, 2012)

      Technik entsteht als Produkt sozialer Prozesse, in ihre Sachgestalt schreiben sich die Sozialstrukturen ein, und vom Umgang mit der Technik gehen wiederum Folgen für den sozialen Wandel aus. Technik herzustellen, gilt als soziales Handeln ebenso wie Technik zu verwenden. Die Wissenschaft der Science and Technology Studies (STS) hat sich dieser Beziehung gewidmet, um zu verstehen, wie technologische Entwicklungen gesellschaftliche Strukturen prägen und umgekehrt (Jasanoff, 2004).

      Um die Entwicklung dieser Beziehung nachzuvollziehen, ist es sinnvoll, mit einem historischen Bezugspunkt zu beginnen: dem Weberaufstand im 19. Jahrhundert.

      Der Weberaufstand von 1844 in Schlesien ...

      ... war ein bedeutendes Ereignis im Kontext der industriellen Revolution. Obwohl der Aufstand selbst primär eine soziale und politische Rebellion gegen die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen war, spiegelt er auch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen wider, die durch technologische Innovationen ausgelöst wurden (Hobsbawm, 1962). Die Industrialisierung führte zu einer massiven Umgestaltung der Produktionsweisen, der Arbeitswelt und der sozialen Strukturen (Marx, 1867). Der Weberaufstand kann somit als Ausdruck der gesellschaftlichen Spannungen verstanden werden, die durch die technologische Umwälzung entstanden. Die Arbeiter fühlten sich von den neuen Produktionsweisen entfremdet und ausgebeutet, was zu Protesten führte (Hobsbawm, 1962).

      Die Technik war in diesem Kontext kein neutraler Faktor, sondern ein soziales Element, das Machtverhältnisse und Klassenstrukturen beeinflusste.

      Die Industrielle Revolution, die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert begann, markierte einen tiefgreifenden Wandel in der Gesellschaft. Technik wurde zum zentralen Motor des gesellschaftlichen Wandels (Mokyr, 1990). Neue Maschinen, wie die Spinning Jenny, die Dampfmaschine oder die mechanische Webmaschine, revolutionierten die Produktion und ermöglichten eine Massenfertigung.

      Aus soziologischer Perspektive, insbesondere aus der Sicht der STS, ist die Industrialisierung kein rein technischer Fortschritt, sondern ein soziales Phänomen, das durch komplexe Interaktionen zwischen technischen Innovationen, wirtschaftlichen Interessen, politischen Entscheidungen und kulturellen Werten geprägt ist (Pinch & Bijker, 1984). Technik wird hier als soziales Konstrukt verstanden, das in gesellschaftliche Kontexte eingebettet ist