Kurs: Nachhaltige Städte | OnCourse UB

  • Lektion 4

    • Nachhaltigkeitsindikatorik für deutsche Städte

    • In dieser Lektion wird ein Indikatorensystem vorgestellt, das von der Bertelsmann Stiftung (2025) und verschiedenen kommunalpolitischen und wissenschaftlichen Akteuren entwickelt worden ist, um die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) für den Kontext deutscher Städte und Gemeinden anzupassen und für die Entwicklung, Umsetzung und Bewertung lokaler Nachhaltigkeitsstrategien nutzbar zu machen. Umfangreiche Daten zu den Indikatoren sind auf dem Portal für Nachhaltige Kommunen frei verfügbar.

      Das Portal für Nachhaltige Kommunen

      Screenshot des Portals für nachhaltige Kommunen

      Das Portal für Nachhaltige Kommunen wurde von der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Institut für Urbanistik und weiteren Akteuren entwickelt.

      Neben allen öffentlich verfügbaren Daten für die Nachhaltigkeitsindikatoren aller deutschen Städte ab 5000 Einwohner*innen finden sich hier eine Wissensdatenbank, methodische Handreichungen für kommunales Nachhaltigkeitsmanagement, Profile einzelner Städte sowie Projektbeispiele und Bildungsangebote: https://nachhaltigekommunen.de

      Wofür braucht man überhaupt Indikatoren? Ist es mit 17 SDGs und 169 Unterzielen nicht schon kompliziert genug? Das Problem ist, dass viele Ziele nicht genau genug formuliert sind, um bewerten zu können, welche Maßnahmen und Aktivitäten zu ihrer Erreichung sinnvoll und geeignet sind. „Angemessener und bezahlbarer Wohnraum für alle“ zum Beispiel dürfte ein ziemlich unumstrittenes kommunalpolitisches Ziel sein. Es ist aber völlig unklar, was mit „angemessen“ gemeint ist und bis zu welchem Preis Wohnraum als „bezahlbar“ gelten kann. Außerdem ist „für alle“ ein ziemlich utopisches Ziel, das vermutlich niemals erreicht werden kann, da es ja schon ein Misserfolg wäre, wenn auch nur eine einzige Person in einer Millionenmetropole keine passende Wohnung fände.

      Stattdessen könnte man sich zum Beispiel auf den Indikator:

      „Anteil der Bevölkerung, der mindestens 30 Quadratmeter pro Person zur Verfügung hat und dafür maximal 40% des verfügbaren Einkommens ausgeben muss“

      verständigen. Nun hat man für das genannte Ziel eine objektiv messbare Größe und kann, jedenfalls wenn entsprechende Daten verfügbar sind, von Jahr zu Jahr vergleichen, ob sich die Situation verbessert hat. Von „Indikator“ spricht man deswegen, weil diese Operationalisierung nur einen Hinweis liefert, ob das darunter liegende Ziel erreicht wurde, sie aber nicht mit dem Ziel identisch ist – schließlich mag es immer noch Personen oder politische Gruppierungen geben, die z.B. eine Wohnfläche von 30qm nicht als „angemessen“ ansehen.

    • Entwicklung des SDG-Indikatorensystems für deutsche Kommunen

      Die „SDG-Indikatoren für Kommunen“ wurde ab 2017 von einer Arbeitsgruppe entwickelt, der unter anderem die Bertelsmann Stiftung, das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, das Deutsche Institut für Urbanistik, die kommunalen Spitzenverbände sowie das globale Städtenetzwerk ICLEI angehörten. 2018 erschien der erste Katalog; anschließend wurde er in Kommunen erprobt, ausgewertet und mehrfach überarbeitet. Die vierte Auflage wurde 2025 veröffentlicht und in das Portal Nachhaltige Kommunen integriert.

      Zunächst wurde geprüft, welche SDG-Unterziele überhaupt für deutsche Kommunen relevant sind. Dafür wurde untersucht, ob sie ein wesentliches Problem deutscher Städte betreffen und ob kommunale Politik und Verwaltung zu ihrer Erreichung beitragen können. Zum Beispiel gibt es in Deutschland aufgrund des Sozialstaats weder Hunger noch informelle Siedlungen (Slums) in nennenswertem Ausmaß, aber durchaus relative Formen der Armut (siehe Kapitel 7 in diesem Kurs).

      Anschließend wurden geeignete Indikatoren aus bestehenden Katalogen und Datenbanken ausgewählt und nach fachlicher Aussagekraft, Datenqualität, Verfügbarkeit und Verständlichkeit bewertet. Dabei entstanden zwei Gruppen: Typ-I-Indikatoren sind fachlich geeignet und zentral über die Statistikämter des Bundes und der Länder verfügbar; Typ-II-Indikatoren sind ebenfalls geeignet, die Daten müssen jedoch häufig von den Kommunen selbst erhoben werden. Der Indikatoren-Katalog ist als flexibler Baukasten angelegt, den jede Stadt an ihre örtlichen Bedingungen und politischen Schwerpunkte anpassen kann.

      Download

      Hier kannst Du detaillierte Tabellen (.xlsx) und Steckbriefe mit allen finalen Indikatoren und deren Datengrundlagen und Berechnungsvorschriften herunterladen. Du findest auch vertiefende Informationen zur Entwicklung des Indikatorensystems.

      Aufgabe

      Mache Dich mit dem Portal Nachhaltige Kommunen vertraut: https://nachhaltigekommunen.de/ Hier findest Du zu den Nachhaltigkeitsindikatoren für alle deutschen Städte über 5.000 Einwohner alle öffentlich verfügbaren Daten zumindest bis zum Jahr 2023. Suche die Daten für SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) sowie SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) für die kreisfreien Städte Potsdam und Bremen und beantworte danach folgendes Quiz.

      Tipp: Du findest diese Daten, wenn Du auf "Kommunalprofile" klickst und dann bei der jeweiligen Stadt unter "Nachhaltigkeitsberichte" auf "Bericht nach der Agenda 2030/SDGs". Wenn Du die richtige Grafik einer Stadt gefunden hast, gibt es rechts oben einen Button, mit dem Du Vergleichsdaten der anderen Stadt dazu laden kannst.

    • Literatur

      Bertelsmann Stiftung et al. (Hrsg.) (2025). SDG-Indikatoren für Kommunen. Vierte Auflage. doi:10.11586/2025065. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/sdg-indikatoren-fuer-kommunen-vierte-auflage