In dieser Lektion wird ein Indikatorensystem vorgestellt, das von der Bertelsmann Stiftung (2022) und verschiedenen kommunalpolitischen und wissenschaftlichen Akteuren entwickelt worden ist, um die UN-Nachhaltigkeitsziele für den Kontext deutscher Städte und Gemeinden anzupassen und für die Entwicklung, Umsetzung und Bewertung lokaler Nachhaltigkeitsstrategien nutzbar zu machen. Umfangreiche Daten zu den Indikatoren sind auf dem Portal für Nachhaltige Kommunen frei verfügbar.
Das Portal für Nachhaltige Kommunikation

Das Portal für Nachhaltige Kommunen wurde von der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Institut für Urbanistik und weiteren Akteuren entwickelt.
Neben allen öffentlich verfügbaren Daten für die Nachhaltigkeitsindikatoren aller deutschen Städte ab 5000 Einwohner*innen finden sich hier eine Wissensdatenbank, methodische Handreichungen für kommunales Nachhaltigkeitsmanagement, Profile einzelner Städte sowie Projektbeispiele und Bildungsangebote: https://nachhaltigekommunen.de
Wofür braucht man überhaupt Indikatoren? Ist es mit 17 SDGs und 169 Unterzielen nicht schon kompliziert genug? Das Problem ist, dass viele Ziele nicht genau genug formuliert sind, um bewerten zu können, welche Maßnahmen und Aktivitäten zu ihrer Erreichung sinnvoll und geeignet sind. „Angemessener und bezahlbarer Wohnraum für alle“ zum Beispiel dürfte ein ziemlich unumstrittenes kommunalpolitisches Ziel sein. Es ist aber völlig unklar, was mit „angemessen“ gemeint ist und bis zu welchem Preis Wohnraum als „bezahlbar“ gelten kann. Außerdem ist „für alle“ ein ziemlich utopisches Ziel, das vermutlich niemals erreicht werden kann, da es ja schon ein Misserfolg wäre, wenn auch nur eine einzige Person in einer Millionenmetropole keine passende Wohnung fände.
Stattdessen könnte man sich zum Beispiel auf den Indikator:
„Anteil der Bevölkerung, der mindestens 30 Quadratmeter pro Person zur Verfügung hat und dafür maximal 40% des verfügbaren Einkommens ausgeben muss“
verständigen. Nun hat man für das genannte Ziel eine objektiv messbare Größe und kann, jedenfalls wenn entsprechende Daten verfügbar sind, von Jahr zu Jahr vergleichen, ob sich die Situation verbessert hat. Von „Indikator“ spricht man deswegen, weil diese Operationalisierung nur einen Hinweis liefert, ob das darunter liegende Ziel erreicht wurde, sie aber nicht mit dem Ziel identisch ist – schließlich mag es immer noch Personen oder politische Gruppierungen geben, die z.B. eine Wohnfläche von 30qm nicht als „angemessen“ ansehen.