Im Jahr 2015 im Rahmen der Agenda 2030 verabschiedet, bilden die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen einen globalen politischen Rahmen für nachhaltige Entwicklung (https://unric.org/de/17ziele/). Sie sind eine umfassende und weltweit anerkannte Zielarchitektur, die Umwelt-, Sozial- und Stadtpolitik integriert. Als international vereinbarter Orientierungsrahmen bieten die SDGs europäischer, nationaler und kommunaler Politik, aber auch privaten Unternehmen, eine Grundlage, um Nachhaltigkeitsstrategien auf städtischer Ebene zu entwickeln und umzusetzen.
Besonders SDG 11 („Nachhaltige Städte und Gemeinden“) betont die Bedeutung nachhaltiger Stadtentwicklung und formuliert Ziele für inklusive, sichere, widerstandsfähige und nachhaltige Städte. Aber auch viele andere, allgemeiner formulierte SDGs sind letztlich für urbane Nachhaltigkeit relevant (siehe Lektion 2.4). Die SDGs sind, wie Du unschwer erkennen kannst, sehr allgemein formuliert, so dass ihr direkter Orientierungswert für konkrete Entscheidungen begrenzt ist. Aus diesem Grund sind alle SDGs noch einmal mit spezifischeren Unterzielen hinterlegt, von denen es insgesamt 169 gibt.
Aufgabe
Mache Dich mit der Website https://sdg-indikatoren.de des Statistischen Bundesamtes vertraut. Hier findest Du zu allen UN-Nachhaltigkeitszielen und den 169 Unterzielen quantitative Indikatoren und (soweit in Deutschland verfügbar) Daten, welche geeignet sind, den Fort-schritt auf dem Weg zur Zielerreichung zu beurteilen.
UN Habitat: Die Neue Urbane Agenda
Die Neue Urbane Agenda (NUA) wurde 2016 auf der UN-Konferenz „Habitat III“ in Quito verabschiedet und stellt eine internationale Leitlinie für nachhaltige Stadtentwicklung dar. Sie ergänzt die Agenda 2030 und konkretisiert insbesondere das SDG 11 durch normative Prinzipien, strategische Zielsetzungen und Handlungsfelder. Im Zentrum stehen Konzepte wie räumliche Gerechtigkeit, partizipative Planung, klimaresiliente Infrastrukturen und nachhaltige Stadtfinanzierung mit der übergreifenden Vision einer „Stadt für alle“. Dabei legt die NUA besonderen Wert auf die integrierte Planung – also die Verknüpfung von Wohnraum, Verkehr, Umwelt, Wirtschaft und sozialem Ausgleich in einer kohärenten Strategie.
Für die Bundesrepublik Deutschland ist die NUA ein wichtiger Bezugsrahmen für die nationale Stadtentwicklungspolitik. Der zweite nationale Fortschrittsbericht (BBSR, 2021) zeigt, wie Deutschland zentrale Prinzipien der Agenda – wie integrierte Planung, Teilhabe und Nachhaltigkeit – in bestehende Strategien übersetzt. Dazu zählen unter anderem die Nationale Stadtentwicklungspolitik, das Programm „Soziale Stadt“, die Städtebauförderung, Leitbilder der Raumordnung sowie die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie.
Auch die Umsetzung der Agenda 2030 auf kommunaler Ebene wird durch Förderprogramme der Bundesregierung unterstützt. Der Bericht betont außerdem die Rolle von Städten als zentrale Akteure der Nachhaltigkeit in enger Kooperation mit Bund, Ländern, Kommunen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Auch wenn die Neue Urbane Agenda keine unmittelbare rechtliche Bindungswirkung hat, wird jedoch deutlich, wie das Dokument dabei hilft, die nationale und kommunale Politik an global verhandelten Nachhaltigkeitszielen auszurichten.
Die Neue Leipzig-Charta
Die Neue Leipzig-Charta wurde 2020 von den EU-Mitgliedstaaten verabschiedet und gilt als zentrale Referenz für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung in Europa. Sie baut auf der ursprünglichen "Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt" von 2007 auf und betont die Bedeutung integrierter, ortsspezifischer Ansätze, die soziale Teilhabe, Klimaschutz und wirtschaftliche Resilienz miteinander verbinden.
Die Charta hebt besonders die Rolle der Stadt als Gemeinwesen hervor, das durch Kooperation und demokratische Teilhabe gestaltet wird. In Deutschland dient sie als Grundlage für Programme der Nationalen Stadtentwicklungspolitik und hat eine wichtige Orientierungsfunktion für die Wissenschaft, fachliche Diskurse zur Stadtplanung sowie die praktische Kommunalpolitik.
Aufgabe
Schau dir den Film an, der die Prinzipien für die Entwicklung der nachhaltigen europäischen Stadt beschreibt, die in der Neuen Leipzig Charta (2020) festgelegt sind.
Lokale Nachhaltigkeitsstrategien
Wie der WBGU (2016) mit seinem normativen Kompass (vgl. Lektion 2.2) betont, ist jede Stadt anders. Wir hatten auch festgestellt, dass es „die“ nachhaltige Stadt nicht gibt, sondern dass politisch verhandelt werden muss, welche Zielsetzungen besondere Priorität haben sollen und wie ggf. auftretende Zielkonflikte zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitszielen beantwortet werden sollen.
Aus diesem Grund bieten die genannten Dokumente zur nachhaltigen Stadtentwicklung nur einen groben Rahmen und müssen jeweils in konkrete Strategien vor Ort übersetzt werden.
Aufgabe
Recherchiere doch mal, ob es für Deine Heimatstadt eine Nachhaltigkeitsstrategie gibt (manchmal auch unter dem Titel „Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK)“).
Tipp: Die meisten Städte haben auf ihrer Website ein öffentlich zugängliches Ratsinformationssystem, in dem man nach kommunalpolitischen Dokumenten suchen kann.
WBGU (2016). Der Umzug der Menschheit. Die transformative Kraft der Städte. Hauptgutachten 2016. Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung. Verfügbar unter wbgu.de