Kurs: KI und Nachhaltigkeit | OnCourse UB

  • Lektion 1

    • Was bedeutet gemeinwohlorientierte KI?

      Künstliche Intelligenz wird oft als Technologie beschrieben, die Prozesse schneller, günstiger und „smarter“ macht. Für viele Anwendungsfelder stimmt das, aber diese Sicht ist zu kurz, wenn KI in Bereichen eingesetzt wird, die unser Zusammenleben direkt betreffen:

      • Bildung,
      • Gesundheit,
      • Umwelt,
      • demokratische Öffentlichkeit,
      • Verwaltung oder
      • soziale Teilhabe.

      In solchen Feldern geht es nicht nur um Effizienz, sondern um Wertefragen:

      • Wem nützt das System und wem schadet es möglicherweise?
      • Wer entscheidet, was „gute“ Ergebnisse sind?
      • Und wer trägt Verantwortung, wenn KI irrt?
    • Unter gemeinwohlorientierter KI verstehen wir deshalb KI-Anwendungen, die gesellschaftliche Ziele unterstützen, etwa den Schutz von Grundrechten, die Verbesserung von Teilhabe, die Stärkung von Umwelt- und Klimaschutz oder die Unterstützung öffentlicher Leistungen. Allerdings ist „Gemeinwohl“ dabei kein objektiver Messwert wie Temperatur oder Umsatz, sondern wird gesellschaftlich ausgehandelt, bzw. an bestimmten Kriterien gemessen. Genau deshalb ist gemeinwohlorientierte KI weniger eine feste Produktkategorie als eine Orientierung, die sich in Zielen, Prozessen und Wirkungen zeigt.

      Ein gutes erstes Prüfkriterium lautet:

      „Beginnt das Projekt beim gesellschaftlichen Problem, oder beim Tool?“

      Viele KI-Projekte starten mit der Frage: „Wo können wir ein Modell einsetzen?“ Gemeinwohlorientierte Projekte starten eher mit: „Welches Problem ist relevant, für wen, und warum ist KI (oder ein anderes digitales Mittel) dafür angemessen?“ Diese Reihenfolge ist entscheidend, weil KI nicht automatisch die beste Lösung ist. Manchmal ist eine bessere Datenpflege, eine verständlichere Schnittstelle oder eine organisatorische Prozessänderung wirkungsvoller als ein neuronales Netz.

    • Wichtig ist es festzuhalten, dass Gemeinwohlorientierung sich nicht nur am Ziel festmachen lässt („Wir wollen etwas Gutes“), sondern entlang einer ganzen Reihe von Aspekten:

    • Gemeinwohlorientierte KI ist vor allem eine Ziel- und Wirkungsperspektive: KI soll sozial, nachhaltig und partizipativ entwickelt und eingesetzt werden, um gesellschaftliche Herausforderungen zu adressieren und einen Mehrwert für die Allgemeinheit zu schaffen. Im Zentrum steht der Aufbau eines offenen Ökosystems, das Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft vernetzt, Kompetenzen stärkt und dafür sorgt, dass Bedürfnisse direkt und indirekt Betroffener bereits in der Entwicklung berücksichtigt werden (Civic Coding, n.d.).

      Demokratische KI (wie sie im „Code of Conduct - Demokratische KI“ formuliert ist) ist stärker eine Governance- und Werteperspektive für den konkreten Einsatz in Organisationen: als Selbstverpflichtung und Orientierungsrahmen, der Entscheidungen über den KI-Einsatz begründbar macht, Risiken minimiert und Kriterien „für oder gegen“ den Einsatz bereitstellt. Dabei wird ausdrücklich betont, dass zunächst kritisch zu prüfen ist, ob KI überhaupt zielführend ist; außerdem werden demokratische Grundwerte (u. a. Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität) in Prinzipien wie Menschenzentrierung, Transparenz (z. B. Kennzeichnung KI-generierter Inhalte), Teilhabe/Partizipation, diskriminierungskritische Haltung, klare Verantwortlichkeiten, Kompetenzaufbau und ökologische Nachhaltigkeit übersetzt (D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V., 2025). Kurz gesagt: Gemeinwohlorientierte KI fragt primär „Wozu?“ (gesellschaftlicher Nutzen) – demokratische KI fragt zusätzlich „Wie legitim, kontrollierbar und rechenschaftspflichtig?“ (Entscheidungsprozesse, Machtasymmetrien, Schutz vor Diskriminierung/Desinformation).

    • Code of Conduct für demokratische KI

      Das Zentrum für digitalen Fortschritt D64 hat einen „Code of Conduct Demokratische KI“ entwickelt und hierfür mit mehr als 50 gemeinwohlorientierten Organisationen zusammengearbeitet, um eine Selbstverpflichtung für den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu schaffen. Ziel des Code of Conduct ist es gemeinwohlorientierte Organisationen dabei zu unterstützen, einen informierten und reflektierten Umgang mit KI zu finden und so die Zusammenarbeit sowie das Engagement der Zivilgesellschaft zu stärken.

      Die Zentralen Prinzipien des Code of Conduct sind in der folgenden interaktiven Abbildung dargestellt.