Fallstudie Eisenhüttenstadt/Stahlindustrie
Lebensqualität, Entwicklungschancen und Zukunftsaussichten von Städten hängen oft stark vom wirtschaftlichen Erfolg der in ihnen ansässigen Unternehmen ab. Diese bieten Arbeitsplätze und damit Einkommen für die Einwohner*innen. Außerdem finanzieren sich die Städte in Deutschland durch Gewebesteuer, Grundsteuer und Anteile an Einkommen- und Umsatzsteuern; d.h. auch die Handlungsspielräume von Stadtpolitik und -verwaltung sind eng mit dem Wohlergehen der ansässigen Unternehmen verbunden. Die Transformation der Wirtschaft zur Nachhaltigkeit kann daher lokal höchst unterschiedliche Folgen für die Städte haben und auch viel Unsicherheit für die Stadtentwicklung schüren.
An kaum einer Stadt in Deutschland lassen sich diese Zusammenhänge so gut ablesen wie an Eisenhüttenstadt. In der DDR zunächst als „Stalinstadt“ gegründet, diente die Stadt zunächst ausschließlich als Residenz für die Beschäftigten der ebenfalls neu errichteten Eisenhütte und ist bis heute in extremer Weise abhängig von der wirtschaftlichen Lage der Stahlindustrie. Der Niedergang der DDR-Industrie infolge der deutschen Wiedervereinigung hat die Stadt erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Schrumpfung ihrer Einwohnerzahl ausgesetzt, die bis heute andauern. Nur zu verständlich, dass heute die Diskussionen um eine Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft vor Ort mit Argwohn gesehen werden, denn die Stahlindustrie ist wegen ihrer CO2-Intensität wie kaum eine andere betroffen.
Im nachfolgenden Video kannst Du Dir anschauen, wie DW Deutsch über das Aussteigen von ArcelorMittal aus den Plänen zum grünen Stahl berichtet. Leider ist das Szenario heute (Stand: 2025) überholt, denn das Unternehmen hat die Umstellung auf grünen Wasserstoff vorerst auf Eis gelegt, weil sie trotz einer erheblichen Förderzusage des Bundes und des Landes Bremen (über 1 Mrd. €!) nicht wirtschaftlich sei (Tagesschau, 20.6.2025). Du siehst – die Transformation schürt viel Unsicherheit, auch für die betroffene Stadt!