Ein Startup ist ein junges, innovatives Unternehmen, das mit einer neuen technologischen Idee schnell wachsen will. Im Unterschied zu etablierten Firmen, freiberuflichen Gründungen oder Kleinunternehmen geht es nicht nur um stabile Gewinne, sondern darum, ein skalierbares Geschäftsmodell zu entwickeln, das sich rasch auf viele Märkte übertragen lässt. Startups sind zwar nicht zwangsläufig auf soziale und ökologische Probleme ausgerichtet. Sie spielen aber eine zentrale Rolle in der Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft, weil sie neue praktische Lösungen etwa für Mobilität, Energie oder Kreislaufwirtschaft erproben und, wenn erfolgreich, in hoher Geschwindigkeit für viele Menschen verfügbar machen.
Beispiel: Too Good To Go
Das 2015 in Kopenhagen gegründete Startup verbindet über eine App Restaurants, Bäckereien und Supermärkte mit Kund*innen, um übrig gebliebene Lebensmittel zu retten. Nutzer*innen können überschüssige Nahrungsmittel kurz vor dem Verfallsdatum zu einem reduzierten Preis kaufen und so Lebensmittelverschwendung und CO₂-Emissionen vermeiden. Das Unternehmen ist heute in über 15 Ländern aktiv und ist ein Beispiel für ein erfolgreiches „Green Startup“ mit sozial-ökologischem Geschäftsmodell.
Die Finanzierung von Startups verläuft typischerweise in mehreren Phasen:
Zunächst investieren Gründer*innen eigenes oder von Verwandten geliehenes Geld oder erhalten eine Anschubfinanzierung aus staatlichen Förderprogrammen oder von einer Stiftung, um eine Idee prinzipiell auszuprobieren.
Danach folgen Investoren wie Business Angels oder Venture-Capital-Fonds, die hohe Risiken eingehen, aber auch hohe Wachstumschancen erwarten. Ihr Logik ist: 90% der Startups gehen pleite, aber mit den verbleibenden 10% können so extrem hohe Gewinne erzielt werden, dass sich das Investment in der Breite lohnt.
Wenn das Unternehmen reifer ist, können Private-Equity-Investoren einsteigen: Sie investieren in bereits etablierte, aber noch nicht börsennotierte Unternehmen, um sie mit ihrem Management-Wissen zu restrukturieren oder weiterzuentwickeln.
Später kann ein Börsengang oder Verkauf an ein großes Unternehmen folgen. Für bestehende Unternehmen ist an diesem Modell interessant, dass sie sich das Risiko und die Kosten bei der Entwicklung eigener Innovationen sparen.
Nachfolgend werden einige wichtige Begriffe aus der Startup-Welt erklärt.
Anleger*innen unterstützen gezielt Unternehmen oder Projekte, die messbar zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Sie orientieren sich an der Idee der Triple Bottom Line, nach der Unternehmen nicht nur nach ökonomischem Erfolg (Profit), sondern auch nach ihrer sozialen (People) und ökologischen (Planet) Wirkung bewertet werden (Elkington, 1997). Diese drei Dimensionen entsprechen dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales (vgl. Kapitel 2).
Green Startups in Deutschland
Das Beratungsunternehmen Borderstep Institut beobachtet mit seinem „Green Startup Monitor“ seit vielen Jahren die Gründungslandschaft in Deutschland und kommt zu dem Ergebnis, dass rund 30% der Startups ökologische Geschäftsmodelle im Sinne der dritten Art unternehmerischer Nachhaltigkeit verfolgen (siehe Grafik).
Verteilung grüner Startups nach Bundesländern, Quelle: Green Startup Monitor 2024Anteil grüner Startups im jeweiligen Bundesland, Quelle: Green Startup Monitor 2024
Nun ist das nicht ganz das gleiche wie urbane Nachhaltigkeit im Sinne dieses Kurses: Erstens haben nicht alle ökologischen Probleme etwas mit Städten zu tun und zweitens bleiben die sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsziele bei rein „grünen“ Startups außen vor. Trotzdem dürfte die Schnittmenge beträchtlich sein, und Du kannst sehen, dass sich ein ganz nennenswerter Anteil der neu gegründeten Unternehmen explizit den hier behandelten Problemen widmet.
Lade Dir den Green Startup Report 2025 herunter und beantworte die Frage unter dieser Box:
Zum Abschluss der Lektion ein Wort der Vorsicht: Auch im Bereich der Startups gibt es sicher keine heile Welt, wo sich wirtschaftlicher Wohlstand, ein bewahrender Umgang mit ökologischen Ressourcen und soziale Verantwortung auf magische Weise zusammenfügen.
Wenn Du noch einmal an Tesla denkst: Ja, das Unternehmen hat der Automobilindustrie kräftig Beine gemacht und erheblich dazu beigetragen, dass eine dekarbonisierte Mobilität in den Städten heute realistisch möglich erscheint. Viele andere Probleme, die mit urbaner Mobilität verbunden sind, löst die Massenproduktion von Luxus-Elektroautos aber nicht (vgl. Kapitel 5). Der anderweitige Ressourcenverbrauch ist hoch (in Berlin-Brandenburg ist z.B. der große Wasserverbrauch des Tesla-Werks ein viel diskutiertes Thema). Der soziale Umgang mit Arbeitnehmer*innen wird viel kritisiert, und das Startup-Modell verschärft massiv die soziale Ungleichheit auf der Welt, die wir in Kapitel 7 diskutiert haben. Ist es nicht eine interessante Ambivalenz, dass Elon Musk, CEO von Tesla und (Stand: 2025) der reichste Mensch der Welt, einen großen Teil seines unvorstellbaren Wohlstands seinem Beitrag zur Lösung eines urbanen Nachhaltigkeitsproblems verdankt?
Literatur
Dyllick, T. & Muff, K. (2016). Clarifying the meaning of sustainable business: Introducing a typology from business as usual to true business sustainability. Organization & Environment, 29(2), 156-174.
Elkington, J. (1997). Cannibals with forks: Triple bottom line of 21st century business. Capstone Publishing.