Kurz gesagt: aller Aufmerksamkeit für das Thema zum Trotz, steht die Transformation der deutschen Unternehmen zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise noch ziemlich am Anfang. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Metastudie im Auftrag des Rats für Nachhaltige Entwicklung aus dem Jahr 2021 (eine Metastudie fasst viele Einzelstudien zu einem Thema zusammen).
In diesem Kurs geht es um Städte, deswegen folgt hier ein Überblick über die Bereiche der Wirtschaft, die besonders von den Herausforderungen urbaner Nachhaltigkeit betroffen sind, mit denen wir uns hier beschäftigen:
Deep Dive: Nachhaltigkeitsstrategie von DHL
Eine aktuelle Analyse der Nichtregierungsorganisation WWF (2025) zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der im wichtigsten deutschen Aktienindex DAX gelisteten Unternehmen über eine Nachhaltigkeitsstrategie verfügen und eine entsprechende reguläre Berichterstattung nach den neuen Standards der EU (siehe Lektion 10.1) vornehmen.
Ein Beispiel dafür ist DHL (formaler Name: Deutsche Post AG), ein weltweit operierender Logistikkonzern mit etwa 80 Mrd. € Umsatz und knapp 600.000 Mitarbeitenden. Auf der Seite von DHL findest Du umfangreiche Berichte, Präsentationen und Datensätze zu den Nachhaltigkeitszielen des Unternehmens. Lade Dir die ESG-Präsentation 2024 herunter (bei Erstellung des Kurses war dies hiermöglich, evtl. musst Du im Download Center danach suchen) und schaue Dir die Ziele und Maßnahmen zur Dekarbonisierung an.
Hürden der Veränderung
Dir sollte in diesem Kapitel klar geworden sein, dass eine sehr große Lücke klafft zwischen den Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften, die sich zumindest teilweise durchaus auch in den Zielen und Strategien von Unternehmen wie DHL und vielen anderen wiederfinden und dem tatsächlichen Umsetzungsstand. Die großflächige Umsetzung von Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und anderen Nachhaltigkeitszielen in Unternehmen (wie auch in Städten) ist eine gigantische Aufgabe, die ein bewusstes und Management erfordert.
Change Management
Change Management bezeichnet die gezielte Planung, Steuerung und Unterstützung von Veränderungsprozessen in Organisationen. Ziel ist es, Mitarbeitende, Strukturen und Ab-läufe so zu gestalten, dass notwendige Veränderungen wirksam und akzeptiert umgesetzt werden. Es umfasst sowohl technische und organisatorische Anpassungen als auch die Begleitung der Menschen im Wandel, um Widerstände zu verringern und Lernprozesse zu fördern.
Dabei gibt es verschiedene Arten von Hürden, teilweise mit Wechselwirkungen:
wirtschaftliche: Wenn z.B. DHL gasbetriebene LKWs anschafft statt Diesel, ist das noch deutlich teurer, selbst wenn man den derzeitigen CO2-Preis berücksichtigt.
psychologische: Veränderungen sind oft unbeliebt, weil sie Ängste auslösen oder Machtverhältnisse berühren. Viele Mitarbeitende leisten nach Kräften Widerstand.
technologische: nicht alles, was für eine vollständige Dekarbonisierung benötigt wird ist schon ausreichend erforscht und einsatzreif (vgl. Kapitel 5, 9 und 11)
systemische: Elektroautos werden nur gekauft, wenn es Ladesäulen gibt, die aber nur installiert werden, wenn sie nachgefragt werden. Unternehmen, Städte und nationale Regierungen müssen Hand in Hand arbeiten für die Nachhaltigkeitswende.