Buch: Drei Arten von unternehmerischer Nachhaltigkeit
| Website: | OnCourse Universität Bremen |
| Kurs: | Nachhaltige Städte |
| Buch: | Buch: Drei Arten von unternehmerischer Nachhaltigkeit |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Sonntag, 24. Mai 2026, 13:54 |
1. Drei Arten von unternehmerischer Nachhaltigkeit
Damit kein Missverständnis entsteht:
Startups sind nicht per se nachhaltig, sondern zuvorderst auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung und eine schnelle Vermehrung des in sie investierten Kapitals gerichtet. Die wachsende Zahl an sozial-ökologisch ausgerichteten Startups (siehe folgende Seiten) steht aber für eine „unternehmerische Nachhaltigkeit der dritten Generation“, um einer nützlichen Taxonomie (=Klassifikation) von Dyllick und Muff (2016) zu folgen.
1.1. Nachhaltigkeit ersten Typs
Die Nachhaltigkeit ersten Typs („Business Sustainability 1.0“) ist an Effizienz und Compliance (=Einhalten der Gesetze) orientiert. Unternehmen versuchen, im Einklang mit der betriebswirtschaftlichen Grundlogik des kostensparenden Wirtschaftens möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen und die schädlichen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Mensch und Umwelt zu begrenzen. Beispiel ist ein Industrieunternehmen, das in eine Filteranlage investiert, um Schadstoffe aus seinem Abwasser herauszufiltern, möglichst viel Wasser wieder verwendet, und über regelmäßige Arbeitsschutzschulungen und das Einhalten von Pausenzeiten Unfälle im Betrieb reduziert.
Diese erste Form der unternehmerischen Nachhaltigkeit ist zumindest in Deutschland weitestgehend etabliert und wird mit professionellen Umwelt- und Qualitätsmanagementsystemen umgesetzt. In Kapitel 8 hatten wir gesehen, dass lokale Umweltprobleme wie Luft- und Wasserverschmutzung in Deutschland seit den 1990er-Jahren erheblich zurückgegangen sind, was eine direkte Folge dieser ersten Welle der Nachhaltigkeitstransformation der Wirtschaft ist. Unberührt davon ist aber die Geschäftstätigkeit selber:
Auch ein Kohlebergbau kann in diesem Sinne „nachhaltig“ sein, wenn lokale Umweltauswirkungen mini-miert, strenge Arbeitsschutzregeln eingehalten werden etc.
1.2. Nachhaltigkeit zweiten Typs
Die „Business Sustainability 2.0“ orientiert sich an der über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehenden gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens (CSR: corporate social responsibility).
Stell Dir idealtypisch eine Unternehmerfamilie aus einem Roman von Thomas Mann vor, welche sich ihrem Heimatort verbunden fühlt und einen Teil ihres Wohlstands dafür einsetzt, dass der Ort davon profitiert. Eine große Variante davon sind große Familienstiftungen wie in Deutschland die Bertelsmann-Stiftung oder die Robert-Bosch-Stiftung, welche die Erträge aus den gleichnamigen Unternehmen nutzen, um Nachhaltigkeitsprojekte in der Gesellschaft voranzutreiben. Die Bertelsmann-Stiftung hat z.B. die Entwicklung des Portals „Nachhaltige Kommunen“ finanziert, das wir in Kapitel 2 kennen gelernt haben.
Kleinere Beispiele für CSR sind Handwerksunternehmen, die sich vor Ort gezielt für die Ausbildung von Flüchtlingen engagieren oder kostenlos die Grünpflege von Schwammstadtprojekten (vgl. Kapitel 4) übernehmen. Auch in diesem Fall bezieht sich Nachhaltigkeit nicht auf die Tätigkeit des Unternehmens an sich, sondern „nur“ darauf, dass man den Ertrag des Unternehmens für freiwilliges, über die gesetzliche Pflicht hinausgehendes sozial-ökologisches Engagement nutzt.
1.3. Nachhaltigkeit dritten Typs
Die dritte Art unternehmerischer Nachhaltigkeit („True Business Sustainability“) schließlich dreht die Logik um. Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens wird von der Hauptbedingung zur Nebenbedingung. Damit ist gemeint, dass der primäre Zweck des Unternehmens darin besteht, ein Nachhaltigkeitsproblem zu lösen. Bei Startups, die diesem Modell folgen, geht es „nur“ darum, ein Geschäftsmodell zu finden, das die Finanzierung dieser Problemlösung ermöglicht.
Beim Startup Ambee z.B. (siehe Fallstudie Kapitel 8) besteht das Kerninteresse darin, eine Lösung für den Umgang mit Luftverschmutzung in Städten zu finden; Kunden zu identifizieren, die aus welcher Motivation auch immer dafür bezahlen, ist Mittel zum Zweck.