Unterschiede in Handlungsorientierungen
| Website: | OnCourse Universität Bremen |
| Kurs: | KI und Nachhaltigkeit |
| Buch: | Unterschiede in Handlungsorientierungen |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Dienstag, 13. Oktober 2026, 06:05 |
1. Die Planetaren Grenzen
Die deutsche Diskussion fokussierte sich auf ein
Nachhaltigkeitsverständnis, dass die drei miteinander eng verbunden Dimensionen
der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Soziales, und Ökologie) als Drei-Säulen-Modell
konzeptualisierte und letztlich darauf fokussierte, dass alle drei Säulen in
sich nachhaltig sein sollten und mithin Zielkonflikte zu beachten sind:
Demnach bestünde die Gefahr, dass eine zu starke Betonung der ökologischen Säule zu einer Gefährdung der ökonomischen Säule führen würde. Nachhaltige Entwicklung wurde dementsprechend als „regulative Idee“ verstanden und die Vorstellung „harter“ Grenzen verneint.
Vertiefung
In Forschungen und Diskussionen zum Klimawandel wurde diese Interpretation zunehmend infrage gestellt und mit dem Budgetansatz des WBGU (2009) verdeutlicht, dass eine Übernutzung natürlicher Ressourcen – in diesem Fall der Aufnahmekapazität der Atmosphäre für Treibhausgase – zu massiven Schäden führen werde.
Fast zeitgleich wurde das Konzept der „planetary boundaries“ entwickelt. Es benennt die ökologischen Grenzen der Erde, deren Überschreitung die Stabilität der Ökosysteme und die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährden würde. Das Konzept zeigt gleichzeitig den sogenannten sicheren Handlungsspielraum (safe operating space for humanity) auf, der die Einhaltung der definierten Grenzen achtet (Rockström et al. 2009).
--- Grafik: van_kin_k3_l2_planetary_boundaries_gra_de ---
2. Das Modell der Donut-Ökonomie
Im Hinblick auf die Rolle der Ökonomie wurde diese Perspektive mit dem Modell der sogenannten Donut-Ökonomie weiterentwickelt (Raworth 2017), indem es um ein soziales Fundament ergänzt wurde, das zwölf Dimensionen sozialer Gerechtigkeit umfasst.
Beispiel
Beispielsweise den Zugang zu ausreichend Nahrung, zu sauberem Wasser und zu Energie sowie zu einem Gesundheitssystem, die Verfügbarkeit von angemessenem Wohnraum, ordentlicher Arbeit oder auch Gleichberechtigung und politische Teilhabe an der Gesellschaft.
Demnach müssen sich menschliches Handeln und insbesondere ökonomische Aktivitäten nicht nur in einem sicheren, sondern auch in einem gerechten Handlungsspielraum bewegen („safe and just operating space“ (Raworth 2017)).
Die ökonomischen Aktivitäten müssen dabei so ausgestaltet sein, dass sie gleichzeitig menschliches Wohlergehen sichern und planetare Grenzen respektieren – somit kommt der ökonomischen Dimension eine sogenannte dienende Funktion zu.
Quelle: In Anlehnung an Wano2011, CC BY-SA 4.0 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127173501
3. Die Sustainable Development Goals
--- Video: Einbetten ---
Video zur Erklärung der SDGS raussuchen.
Die im Kontext der Rio+20-Konferenz entwickelten und 2015 auf höchster politischer Ebene beschlossenen SDGs der Vereinten Nationen greifen innerhalb von 17 Zielen mit 169 Indikatoren die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit auf. Sie bieten prinzipiell einen Orientierungsrahmen für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und in diesem Zuge auch wirtschaftliche Aktivitäten.
Quelle: DGVN https://dgvn.de/ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung
Die Problematik der Zielkonflikte zwischen Dimensionen und einzelnen SDGs bleibt allerdings größtenteils ungelöst. Eine explizite Priorisierung der ökologischen und sozialen Dimensionen gegenüber der ökonomischen findet nicht statt.
Vielmehr wird mit Blick auf das Ziel 9 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ davon ausgegangen, dass eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch erreicht werden kann. Hiermit wird suggeriert, dass in diesem Fall kein Zielkonflikt zwischen ökonomischer und ökologischer Dimension existiert.
Hinweis
Ein indikatorenbasierter Ansatz kann dieses Problem nur unzureichend adressieren. Deshalb ist ein generischer Ansatz notwendig, der Aussagen darüber treffen kann, wie die Technologie grundsätzlich nachhaltiger gestaltet werden kann.
Das bedeutet nicht, dass es keinen Zusammenhang zwischen den SDGs und KI gibt. Die SDGs sind als übergreifender Orientierungsrahmen auf für wirtschaftliche Aktivitäten der KI-Entwicklung und deren Anwendung bedeutsam. Allerdings muss Nachhaltigkeit entlang des gesamten Lebenszyklus betrachtet werden, um die übergeordneten Ziele einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen.