Buch: Perspektiven der Gerechtigkeit

2. Climate Justice

Climate Justice nimmt eine noch breitere Perspektive ein. Sie verknüpft Klimaauswirkungen mit Fragen historischer Verantwortung und globaler Gerechtigkeit. Schlosberg und Collins (2014) betonen, dass Klimagerechtigkeit nicht nur aus Verteilungsfragen, sondern auch prozeduralen und epistemischen (wissensbezogenen) Fragen gedacht werden muss: Es geht darum, wer die Hauptverursacher globaler Emissionen sind, wer am meisten unter Dürren, Überschwemmungen oder Ernteausfällen leidet, und wer in Klimaverhandlungen überhaupt mit am Tisch sitzt.

Im KI-Kontext stellt sich etwa die Frage: Wenn der Betrieb und Aufbau digitaler Infrastrukturen zusätzliche Emissionen erzeugt, wie ist das zu rechtfertigen gegenüber Regionen, die schon heute stark von Klimafolgen betroffen sind und die selbst nur geringe Emissionen verursachen? Und welche Verantwortung haben Unternehmen, deren KI-Angebote auf besonders energie- und wasserintensiven Rechenzentren beruhen?

Climate Justice umfasst drei zentrale Dimensionen, distributional, procedural und recognitional justice, die gemeinsam analysieren, wie Klimafolgen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse gerecht gestaltet werden können. Jede Dimension führt zu unterschiedlichen, aber miteinander verwobenen Leitfragen.