Die 15-Minuten-Stadt

1. Kompaktheit und Dichte nachhaltiger Städte

Auch abgesehen von Mobilität und Verkehr beeinflusst die baulich-räumliche Gestalt der Stadt Ressourcennutzung, Energieeffizienz und Emissionen, aber auch soziale Nachhaltigkeitsziele wie Gesundheit und Lebensqualität (vgl. auch Kapitel 8):

  • Wir hatten schon gesehen, dass viele Lösungen für eine klimaneutrale Wärme- und Stromversorgung technisch und wirtschaftlich am besten dezentral in dicht bewohnten Quartieren funktionieren (Kapitel 4).
  • Mischnutzung (Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Kultur) sorgt für Nähe und Begegnung: Wege werden kürzer, der öffentliche Raum lebendige. Solche Viertel sind auch robuster gegen Strukturwandel und können sich immer wieder neu erfinden, ohne Abriss und Neubaulasten mit dem entsprechenden Verbrauch an Material an Rohstoffen (vgl. Kapitel 9). Nicht ohne Grund gehören die dichten und ästhetisch ansprechenden Gründerzeitviertel in Städten wie Berlin oder Paris heute wieder zu den nachgefragtesten Quartieren, obwohl die Wirtschaft heute völlig anders ist.
  • Dichte Quartiere stiften Identität, fördern Gesundheit (Bewegung, Mikroklima), bieten Bühnen für lokale Ökonomien und ermöglichen Teilhabe auch für mobilitätseingeschränkte Personen, ein Thema das angesichts der Altersstruktur der Bevölkerung immer wichtiger wird.

Operationalisierung nachhaltiger Quartiere

UN-Habitat, das Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen, schlägt fünf Prinzipien vor, um die Nachhaltigkeit von Stadtquartieren zu bestimmen (vgl. WBGU, 2016, S. 168):

  • Anteil öffentlicher Straßenraum: ≈ 30 % der Quartiersfläche bzw. 18km Straßenlänge pro km² mit gleichberechtigter Nutzung für Autos, ÖPNV, Fahrräder und Fußgänger.
  • Hohe Einwohnerdichte: > 15.000 Ew./km² (entspricht Innenstadtquartieren von z.B. Barcelona, Buenos Aires, Paris oder Tokyo).
  • Mischnutzung: > 40 % der Erdgeschossflächen wirtschaftlich genutzt.
  • Soziale Mischung: 20–50 % sozialer Wohnungsbau, also verbilligter Wohnraum für Menschen mit geringen Einkommen.
  • Begrenzung spezialisierter Landnutzung (z.B. Einfamilienhaus-Siedlung): < 10 %.

Hier kannst Du (optional) die UN-Habitat-Prinzipien vertiefend lesen.